30. April 2013

Rezension: Der Turm v. Uwe Tellkamp

am Dienstag, April 30, 2013
Titel: Der Turm
Autor: Uwe Tellkamp
Seiten: 972
Verlag: Suhrkamp

Inhalt

Im Turm wird die Geschichte einer Familie zu Zeiten der DDR erzählt, die der Familie Hoffmann. Wir lernen Richard Hoffmann, einen Chrirurgen kennen, der mit seiner Frau Anne und den Söhnen Christian und Robert im Dresden des Sozialismus lebt. Zudem begegnen wir Anne's Brüdern Meno und Ulrich, sowie weiteren Personen - Familienangehörige, Schriftsteller, Parteimitglieder, Volksarmee. Der Turm zeichnet ein detailiertes Bild dieser Familie. Wie Richard seine Frau mit der schönen Josta betrügt und sogar ein Töchterchen mit ihr bekommt, die Beziehung dann jedoch zerbricht. Wie Anne von der grauen Maus zur Revolutionistin wird. Wie Christian sich der Armee verpflichten muss, um sein so erträumtes Medizinstudium zu erhalten. Und dabei muss er aufs Ganze gehen. Denn als sein Freund Burre bei einem Unfall stirbt wird er wegen Landesfeindlichkeit verhaftet; ein paar Worte zuviel und er sitzt im Gefängnis. Als nun das Volk nicht mehr zu halten war steht er plötzlich seiner Mutter gegenüber. Sie auf Seiten des Volkes, er auf Seiten der Obrigkeit. Ein Diener des Staates. Und muss hilflos mit ansehen, wie seine Mutter von einem Polizisten verprügelt wird.

Meing

Der Turm zeichnet ein ausgezeichnetes Bild einer Familie in der DDR. Durch die vielen verschiedenen Personen, die der Autor abwechselnd beleuchtet, bekommt das Bild eine sehr intensive Tiefe. Die Sprachgewalt Uwe Tellkamps macht das Lesen zu einem besonderen Vergnügen, zumal er hie und da kleine Dialoge einbaut, deren Sprecher richtig schön sächseln; für mich als Thüringerin umso amüsanter da uns nachgesagt wird, wir sprächen wie die Sachsen. (Was nun wirklich nicht stimmt, die Ähnlichkeiten sind aber doch auch vorhanden; ich gebe es zu.) Nichtsdestotrotz empfand ich die Lektüre als schwierig. Ich wurde 91 geboren, knapp nach der Wende. Meine Eltern, aufgewachsen in der DDR, erzählten mir natürlich viel. Ohne dieses Vorwissen hätte ich den Turm nicht bestreiten können oder hätte zumindest um einiges weniger verstanden. Ich kann mir daher vorstellen, dass es für jüngere (oder westdeutsche) Leser schwer zu verstehen ist. Fühlt man sich dieser Hürde gewachsen zeichnet das Buch allerdings ein unglaublich gutes Bild der damaligen Gesellschaft und dient so dem Begreifen der Geschichte. Ich empfehle dieses Buch jedem, der an der Geschichte seines Landes interessiert ist. Der nicht nur die trockenen Berichte aus Geschichtsbüchern lesen möchte. Wer allerdings kein so großes Verständnis dafür aufbringt sollte lieber nicht zum Turm greifen, denn dieses Buch lebt nicht von Spannung, Action oder einer tragenden, einsträngigen Geschichte. Es lebt vom Zeichnen eines Gesamtbildes.




Der Turm erhält von mir drei Sterne. Das klingt im ersten Moment wenig, soll es aber nicht sein. Für Interessierte an diesem Thema ist dieses Buch schon allein seiner Sprachgewalt wegen fünf Punkte wert. Allerdings ist es für jüngere Leser, bzw uninformierte Leser einfach ein schwert zu bewältigendes Buch.

4 Kommentare:

Bila Buchling hat gesagt…

Aaach, das Subt bei mir auch schon eine Weile rum... muss ich wohl echt mal lesen. Soll ja quasi wie die Buddenbrooks der DDR sein. Und die Buddenbrooks fand ich super. Vielleicht ist das ja auch was für dich, falls du es noch nicht gelesen hast.

LG Catherine

Bücher Diebin hat gesagt…

Wenn du selbst aus den neuen Bundesländern kommst bzw dich zumindest ein bisschen auskennst ist es echt genial. Für mich war's einfach auch persönlich sehr interessant, da ich ja ganz kurz nach der Wende geboren wurde.

Buddenbrooks liegen wiederum bei mir schon seit langem herum und wollen gelesen werden ;D Ich glaub ich sollte mich doch mal ransetzen.

Bila Buchling hat gesagt…

Komme zwar nicht aus den neuen Bundesländern, aber bin trotzdem gespannt. Hoffe ich komm bald dazu, es zu lesen. Deine Rezi hat mich noch mehr neugierig gemacht.
Buddenbrooks ist echt toll. Mal etwas leichtere Kost von Thomas Mann. Musste echt viel lachen beim Lesen. :)

Liebe Grüße Catherine

Bücher Diebin hat gesagt…

Da bin ich dann aber unglaublich gespannt, wie das Buch für dich war! :) Ich habe wie gesagt vieles nur verstanden bzw. wirklich zuordnen können, weil meine Eltern mir eben aus ihrer Kindheit/Jugend erzählt haben und ich daher ungefähr wusste wie's damals so zuging. Also, wenn du's gelesen hast, sag Bescheid ! :)

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