25. November 2013

Anders.

Hallo ihr Lieben!
Ich habe mir eine kleine Idee ausgedacht, die mir ganz gut gefällt - euch hoffentlich auch. Ich werde nun jeden Tag, oder zumindest so oft ich es schaffe, einen Post zu einem speziellen Thema verfassen. Und dabei arbeite ich das Alphabet ab. Das Thema soll dabei schon auch zu mir und meinem Leben passen. Bei der Umfrage hattet ihr ja auch dafür gewählt, dass ich mehr aus meinem (Universitäts-)Alltag erzähle. Heute möchte ich also beginnen.

A wie Anders.

Eigentlich denkt doch beinahe jeder, dass er anders sei. Jeder Mensch hebt sich vom anderen ab, natürlich. So soll das auch sein. In dem Glauben, dass wir anders sind, sind wir uns alle gleich. Doch wieso bin ich anders? 

Eigentlich begann das Ganze schon in meiner frühen Kindheit. Sobald ich in den Kindergarten gebracht wurde, weinte ich. Es war kaum möglich, mich mit den anderen Kindern zusammenzubringen. Es fiel mir schwer, den Kontakt zu Gleichaltrigen zu suchen. Meine Mama und mein Papa waren mir stets viel wichtiger. Ich bekam Strafen von der Kindergärtnerin für mein "Einzelgängersein". Dafür, dass ich meine Mama vermisste. Ich wurde in eine Gruppe gedrängt, in der ich mich nicht wirklich wohlfühlte. Aber - nach geläufiger Meinung damals - Kinder lieben Freunde und lieben es mit Gleichaltrigen zusammen zu sein. Mir wurde "befohlen" ebenfalls Spaß zu haben. Zum Glück war dies kein Zustand, den meine Eltern mitansehen konnten. Vielleicht war dies ein Fehler, doch ich musste nicht mehr so oft in den Kindergarten. Die Tätigkeit meiner Mama ließ es zu, dass ich am Morgen ein paar Stunden zum Kindergarten ging und dann zu Oma kam.

Und so zieht sich das bevorzugte Alleinsein durch mein Leben. In der Schule hatte ich immer wieder mal eine Freundin, vielleicht auch zwei. Ganz ohne wollte ich nicht dastehen. Aber es wurde mir schnell zu viel. Es wurde mir immer  zuviel. Bis heute. Intensivierte sich eine Freundschaft zu sehr, wurde die Distanz in Nähe umgebaut, flüchtete ich. Ich fühle mich nicht mehr wohl, wenn mir jemand zu nahe kommt. Einzige Ausnahme bilden meine Eltern und mein Freund. Ich kann mit dem, was Gleichaltrige toll finden, nichts anfangen. Ich trinke kein Alkohol, rühre nicht einmal einen Tropfen an. Ich verteufle das Rauchen und sitze lieber mit einem guten Buch im heimischen Sessel, als dass ich fortgehe. Mein liebster Ort auf der Welt? Mein Zuhause. Meine liebste Gesellschaft? Ich selbst oder meine Eltern/mein Freund. 

Aber macht mich das wirklich zu jemand anderem? Kürzlich unterhielt ich mich mit jemandem im Internet; das übliche belanglose Geplänkel wenn man einander nicht wirklich kennt. Wir kamen auf's Studium zu sprechen, darauf, dass ich von meiner Familie nicht fort möchte. Mir auch nich vorstellen kann, fort zu ziehen. Dass ich nicht gern fortgehe. All die Dinge. Dass mir soziale Situationen schwer fallen. Und da fragte mich mein Gegenüber: Kann es sein, dass du autistisch bist?


Soll das tatsächlich eine berechtigte Frage sein? Neugierig wie ich bin habe ich einige Tests im Internet gemacht, auch auf namhaften Seiten. Es handelte sich um einen zentralen, zugelassenen Test um gewisse Symptome zu identifizieren. Und tatsächlich, laut diesen Tests sollte ich mich untersuchen lassen. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Tests ohnehin nicht besonders aussagekräftig sind, weil sie ohnehin bloß einen Fragekatalog abklappern ohne das Drumherum zu kennen: Wäre es denn so schlimm? Selbst WENN ich autistisch veranlagt wäre, würde ich es ändern wollen? Nein!

Zum einen glaube ich persönlich nicht, dass jeder der ein wenig wunderlich drauf ist und anders als die breite Masse gleich autistisch ist. Ich bin gern allein und scheue laute, turbulente Orte. Nun gut. Aber das ist doch nicht gleich ein Anzeichen für eine Entwicklungsstörung. Ich habe gewisse Ticks, die wohl auch auf dieses Syndrom hinweisen. Aber vielleicht habe ich auch wirklich einfach nur ein paar Ticks? Im Nachhinein finde ich es fast schon etwas ... unfreundlich? Die Person hat das definitiv nicht unfreundlich gemeint. Allerdings kommt es mir so vor, als suchten die Leute eine Entschuldigung dafür, wenn jemand sich vor Menschen scheut. Manche Situationen als unschön beurteilt, die andere erfreuen würde. Und so weiter. 

Den ganzen Quatsch mit Autismus (ob nun zutreffend oder nicht) wische ich bedenkenlos fort. Jeder sollte so leben, wie er es für sich selbst als richtig empfindet. So wie er sich wohlfühlt. Und ob das nun ein Lebensstil ist, der den anderen nicht passt, sollte dabei keine Rolle spielen! Ich bin zufrieden mit mir und der Welt - das ist die Hauptsache! 




Ich hoffe, euch hat der kleine Text ein bisschen gefallen. Mir ist es noch recht fremd, so über meine Gedanken öffentlich zu reden. Ich hoffe, dass sich daraus trotzdem etwas entwickeln kann, was für euch interessant ist und mich auch ein Stück weiterbringt.

Nun noch ein paar andere kleine Dinge, die ich interessieren könnten:
Ich habe nun meinen Praktikumsplatz sicher!  :) Morgen vormittag darf ich den Vertrag unterschreiben und in den Semesterferien werde ich dann mein 6-wöchiges Praktikum in der Bibliothek/Archiv absolvieren. Davon werde euch dann, zu gegebener Zeit, natürlich auch noch berichten.




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