13. Mai 2014

Kreationismus an der Universität Jena

am Dienstag, Mai 13, 2014

Bereits gestern Abend wurde ich auf einige Flyer aufmerksam, die auf den Tischen der Cafeteria und der "Aufenthaltsräumlichkeiten" auslagen. Mit dem eher merkwürdig anmutenden Titel "überLEBEN" und dem Untertitel "...mehr als du glaubst" wurde ich aufmerksam. Ich nahm einen der Flyer in die Hand und las: "Programm der Hochschultage Jena." Zugegeben. Bei dem Titel habe ich kein Stück an Religion gedacht. Hochschultage... Das klingt mir eher nach einem Angebot der Uni, die Studiengänge kennen zu lernen oder sich selbst zu feiern. Als mein Blick dann aber auf die Veranstaltungen selbst fiel, wurde mir dann doch die Richtung des ganzen klar. Auch die Veranstalter (u.a. Studenten für Christus Jena) ließen dann keinen Zweifel mehr daran. Also legte ich den Flyer wieder fort, mit Religion hatte ich noch nie etwas am Hut. 

Als ich dann gerade eben gemütlich auf einer Bank des Campus saß, stolperten drei sehr sympathisch aussehende Studtenen auf mich zu. (Ich glaube eines der Mädchen hat sogar einmal ein Seminar mit mir besucht.) In Gedanken vertieft wurde ich erst auf sie aufmerksam, als sie mich direkt ansprachen. In ihren Händen Thermoskannen, Zucker und Milch. Sie fragten mich, ob ich einen Kaffee wolle - geschenkt, versteht sich. Da ich müde war und mir nicht groß was dabei dachte - jaja, von wegen man nehme nix von Fremden an - nahm ich das Angebot dankbar an. Müde war ich eh und einen Kaffee hätte ich mir ohnehin gekauft. Einen Euro gespart, super. Und dann zogen die Herrschaften auch schon wieder von dannen. Allein ein Blick auf den Pappbecher verriet mir, worum es hier eigentlich geht. Da stand etwas von wegen, dass Gott mich geschaffen habe, einzigartig und wunderbar. Naja. Geschaffen haben mich ehrlich gesagt meine Eltern. Bei dem einzigartig und wunderbar geh ich ja noch mit... :-D

Etwa zeitgleich scrollte ich dann auch auf meinem Handy die Facebook-Nachrichten durch und fand dabei einen offenen Brief an den Rektor der Universität und den Oberbürgermeister. Erst allmählich wurde mir klar, dass diese Religiösen nicht einfach nur die christlichen Lehren zu verbreiten versuchten, sondern vielmehr auch ein großer Teil Kreationismus mit rein spielte. Da stellt sich mir die Frage, ob solche Gruppierungen, Vorträge und Aktionen wirklich an eine Universität, die sich ja durch Wissenschaftlichkeit auszeichnet, gehört. 

Schon grundlegend finde ich, dass Glaube und Wissenschaft und somit Kirche und Universität nicht unbedingt miteinander verbunden sind. Eine kirchliche Veranstaltungen gehört in meinen Augen nicht in einen Hörsaal, sondern in ein Gemeindehaus oder eine Kirche. Aber das ist wohl nur meine persönliche Auffassung, da ich Atheist bin. Verstörender finde ich, als eigentlicher Laie, der sich hier auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen möchte, dass Gedankengut des Kreationismus in diesen Rahmen hinein spielen darf. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: die Kreationisten bringen die Darwinistische Lehre mit den Konzentrationslagern in Verbindung. Vielleicht haben Menschen und Dinosaurier ja auch tatsächlich zeitgleich gelebt +hust+

Ich möchte natürlich niemandem einen Vorwurf machen, weil er seinen Glauben auslebt und an seinen eigenen Überzeugungen festhält. Jedem das seine. Was ich jedoch nicht in Ordnung finde ist, dass die studentischen Gruppen  die Universität missbrauchen, um wissenschaftsfeindlichen Kreationismus zu propagieren. Das ist, meines Erachtens nach, der falsche Ort dafür. 

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