15. Oktober 2014

Berlin, du bist so wunderbar....

am Mittwoch, Oktober 15, 2014
Letzten Dienstag war es dann endlich soweit. Meine Mutti und ich traten unsere diesjährige Städtereise an, diesmaliges Ziel: Berlin. Zugegeben, ich war nicht begeistert. Ich kannte Berlin nur flüchtig, hatte jedoch keine besonders hohe Meinung von dieser Stadt. Sie erschien mir schon immer chaotisch, dreckig und die typische Berliner Mentalität sagt mir auch nicht zu. Nicht besonders förderlich: die meisten Berliner die ich kenne sind.... sagen wir mal unsympathisch. (Ausnahmen bestätigen die Regel!) 

Am Dienstag um 08.12 Uhr fuhr unser Zug los. Wir fuhren nach Jena und von dort in der 1. Klasse des ICE (toller Komfort und gratis Warm- und Kaltgetränke an Bahnhöfen mit Lounge, der Aufpreis lohnt!) nach Berlin. Wir kamen bereits um 11.18 an. Wir checkten im am Bahnhof gelegenen Intercity Hotel ein und begannen dann sofort damit, Berlin zu erkunden. Da bei der Hotelbuchung ein Nahverkehrsticket inklusive war, stiegen wir in die S-Bahn und gelangten so zur East Side Gallery.  Ein Stück Mauer, das von Künstlern bemalt wurde. Die Mauer selbst war (bis auf die Schmierereien) wirklich umwerfend. Die Bilder gefielen mir sehr gut und mit ihrem Bezug auf die DDR-Problematik regten sie wirklich zum Nachdenken an. Weiteres dazu bei den Bildern. Anschließend fuhren wir zu den Hackeschen Höfen. Nüchtern betrachtet einfach nur ein paar Hinterhöfe mit Läden, aber irgendwie so charmant, dass es wirklich einen Besuch wert ist! Wir liefen an der Humboldt Universität und Unter den Linden entlang. Monströse Bauwerke, für "eine vom Dorf" wie ich wirklich nur schwer zu fassen. Vollkommen erschöpft fielen wir am Abend in die Hotelbetten.

Am Mittwoch genossen wir das üppige (wenn auch in anderen Hotels schon bessere) Hotelfrühstück und dann ging es Richtung Museumsinsel. Da die Museen noch nicht geöffnet hatten, besuchten wir den Alexanderplatz mit der Weltzeituhr und Fernsehturm. Das kostete einiges an Überwindung, der Aufzug raste in die Höhe. Zudem wurden wir mit zig Menschen in den kleinen Aufzug gepresst. Aber das lohnte. Der Ausblick war überragend. Nach diesem Besuch ging es für uns ins Pergamon Museum. Ein Teil des Museums war leider wegen Bauarbeiten gesperrt, aber es lohnte trotzdem. Wer sich auch nur ein bisschen für Geschichte interessiert kommt hier gänzlich auf seine Kosten. Auch an diesem Tag fielen wir mit schmerzenden Füßen und müde ins Bett.

Der Donnerstag war nun schon leider unser letzter Tag, doch auch hier hatten wir wieder einiges vor. Wir liefen durch den Tiergarten am Schloss Bellevue entlang und gelangten so zur Siegessäule. Meine Mutti war erst dagegen, doch letztlich bestiegen wir diese. Das rächte sich später, da meine Füße danach nahezu Schrott waren. Aber die Aussicht war die Schmerzen wirklich wert. Von dort aus liefen wir dann weiter und erreichten so den Kurfürstendamm und das KaDeWe. Das war allerdings eher enttäuschend für uns. Eine Shopping-Meile wie in Hundert anderen Städten auch. Nix besonderes. Allein der Name rechtfertigt nicht den Besuch. Natürlich gab es das ein oder andere "Besondere". Aber in Zeiten des Internets, wo man ja eh per Klick jeden Tag alles bekommen kann, ist das eben einfach nichts Außergewöhnliches mehr. Leider. Wir haben verlernt zu staunen, glaube ich. Da sich das Ganze als eher nur von kurzer Dauer interessant herausstellte, hatten wir dann noch recht viel Zeit bis der Zug fuhr. Wir tranken an der Spree einen Kaffee und besuchten dann noch das Brandenburger Tor, ehe wir aus dem Hotel auscheckten.

Die Rückfahrt war beschwerlich. Der ICE bis Leipzig war super, doch dann mussten wir auf Schienenersatzverkehr zurückgreifen und dieser lief auch noch katastrophal ab. (Überfüllter Zug, wir mit unseren eh geschundenen Füßen standen, der Zug musste auf der Strecke 20 Minuten lang auf Gegenverkehr warten, man stand "kuschelnd" mit den anderen Fahrgästen.) Die Nerven waren am Ende. Mit einer Stunde Verspätung kamen wir dann aber endlich zuhause an. 

Zusammenfassend muss ich sagen: meine Vorurteile wurden bestätigt. In Berlin ist nahezu nichts idyllisch oder ruhig. Eine so laute und durchweg chaotische Stadt kenne ich noch nicht. Selbst Hamburg, München und Prag haben zentralgelegene und dennoch ruhige Orte, wo man einen Kaffee trinken, sich ausruhen kann. In Berlin sind die vielspurigen, stark befahrenen Straßen omnipräsent. An jeder einzelnen Sehenswürdigkeit, jedes Café, überall. Die Siegessäule umzingelt vom mehrspurigen Kreisverkehr, Bellevue an einer stark befahrenen Kreuzung. Es ist wirklich zum verrückt werden. Zudem ist die Stadt sehr dreckig und teilweise fast schon "ruinös". In manchen Stadtteilen herrschte, so glaubten wir, noch tiefste DDR. Unter Brücken roch es stark nach Urin, selbst in Touristengegenden. Denn die Obdachlosen fand man tatsächlich an jeder Ecke, egal ob abgelegen oder direkt neben dem Bundestag auf Bänken liegend. Natürlich hat jede Stadt ihre "Dreckecken", aber bei keiner ist dieses "Elend" so präsent wie in Berlin gewesen. 

Dennoch ist mein Bild von Berlin nachträglich ein positives. Denn Berlin hat wunderschöne Ecken und die Dynamik ist, wenn auch nicht auf Dauer, doch etwas Schönes. Etwas Eigenes. Man kann sich für ein paar Tage dem Trubel der Hauptstadt schon hingeben. Auf Dauer jedoch.... ich kann nach wie vor nicht verstehen, wie nahezu alle Leute die ich einmal kannte nach Berlin übersiedeln konnten.  Die Sehenswürdigkeiten und all das waren natürlich einfach atemberaubend schön. Die Gewaltigkeit ist schon wirklich beeindruckend und das sollte man auch gesehen haben.  Ich würde Berlin sofort wieder besuchen, es gibt noch vieles zu entdecken. 


East Side Gallery. Mein Lieblingsmotiv. 





Eine tolle Aufforderung in den Hackeschen Höfen.


Als großer Humboldt-Freund ein Muss: Alexander von Humboldt thront vor der nach ihm und seinem Bruder benannten Universität.

Das Holocaust-Denkmal. Leider ebenfalls von Imbissbuden und Straßenlärm umzingelt; den Opfern des Nationalsozialismus kann man auch würdevoller gedenken.

Atemberaubende Aussicht vom Fernsehturm.


Im Pergamon-Museum.

Hier ein "Museumsstück", bei uns jedoch durchaus noch oft auf den Straßen Thürigens anzutreffen.

Kanzleramt. Auf den Bänken an der Spree jedoch Dutzende Obdachlose.





2 Kommentare:

Eponine hat gesagt…

Mein zweites Lese-Miteinander hat gerade begonnen, vielleicht kannst du ja noch einsteigen?
Hoffentlich geht es dir gut.

Pass auf dich auf
Livia

Und hier noch der Link http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2014/10/gemutliches-lese-miteinander-zum-zweiten.html

Bücher Diebin hat gesagt…

Da ich gestern nicht noch einmal online war, habe ich es natürlich wiueder verpasst. Verdammt :'( Mir geht es gut, aber zur Zeit etwas stressig, die letzte Ferienwoche. Ich habe wieder einen Hund in Pflege, muss alles vorbereiten, die mdl. Nachklausur (du weißt schon) steht an. Es tut mir grässlich leid, dass ich dir noch nicht geantwortet habe. Aber du weißt, ich nehme mir gern Zeit zum Beantworten deiner Mails, damit ich dir auch eine ausführliche und gute Antwort zukommen lassen kann. Ich verspreche, du wirst nicht mehr lange warten müssen.

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