17. November 2014

[Rezension] Chronik eines angekündigten Todes


Chronik eines angekündigten Todes
geschrieben von Gabrial García Márquez

Fischer Verlag, 128 Seiten
7,95 €, Taschenbuch

"An dem Tag, an dem sie ihn töten sollten, stand Santiago Nasar um fünf Uhr dreißig morgens auf[.]" So wird bereits auf der ersten Seite, ja sogar im ersten Satz klar, dass Santiago Nasar sterben wird. Auch die Mörder bleiben nicht lange unbekannt. Einzig das "Wie" ist es, dem wir in 128 Seiten auf den Grund gehen. 

Gabriel Garcia Marquez ( 1927 in Kolumbien geboren) geht den letzten Stunden des Halbarabers Santiago Nasar, der in einem kleinen kolumbianischen Dörfchen an der Karibikküste lebt, auf den Grund. In der Nacht vor dem Mord feiert Bayardo San Roman, ein reicher Zugezogener, seine Hochzeit mit einem der schönsten Mädchen des Dorfes. Doch noch vor Tagesanbruch bringt er die Braut zurück in ihr Elternhaus - sie ist nicht mehr unbefleckt. Sie gibt an, Santiago Nasar sei der Täter und das ganze Dorf weiß, dass sich die Zwillingsbrüder des Mädchens an ihm rächen wollen. Jeder weiß es, jeder möchte Santiago Nasar warnen und doch, letztendlich stirbt er.

 "'Santiago, mein Junge', schrie sie ihm zu. 'Was ist mit dir!' Santiago Nasar erkannte sie. 'Sie haben mich getötet, Fräulein Wene', sagte er."

Wer nun glaubt, dass ich mit dem Verraten des Mordmotivs und der Mörder bereits soviel verraten habe, dass es sich nicht lohnt dieses Buch zu lesen, der irrt. Denn darum geht es in "Chronik eines angekündigten Todes" nicht. Es geht um den Tathergang. Wie konnte es zu dem Ehrenmord kommen, den jeder zu verhindern versuchte. Sogar die Täter selbst! Wo und wie stirbt der Mann, dessen Unschuld bis zum Ende des Romans von einigen vermutet wird? 

Wer bereits Werke des Autoren kennt weiß, dass es sich um einen Geschichtenerzähler der Extraklasse handelt. Gabriel Garcia Marquez gelingt es immer wieder, eine eigentlich recht nüchterne Angelegenheit so wortgewaltig (jedoch keinesfalls zu schwulstig!) zu beschreiben. Er ist ein Chronist. Er ist ein Künstler. Seine Werke laden dazu ein, dass man sich für einige Stunden in eine ganz andere, fremde Welt begibt und versucht, diese zu verstehen. Man kann diese Kurzgeschichte allein schon ihrer Wortschönheit wegen lesen. Aber auch, um ein bisschen besser zu verstehen. Und letztlich lehr uns die Geschichte zumindest eines: Das Schicksal wird eintreten. Es ist einfach so.

Von mir auf jeden Fall eine klare Empfehlung für jene, die sich ein bisschen für andere Kulturen (v.a. die südamerikanische) interessieren oder auf der Suche nach Werken sind, die sich durch den besonders künstlerischen Gebrauch von Sprache auszeichnen. Eher nicht empfehlenswert ist dieses Buch für den, der Action und Nervenkitzel möchte. 

Kommentare:

  1. Für Kurzentschlossene startet heute mein viertes gemeinsames Lese-Miteinander und ich würde mich sehr über deine Teilnahme oder ein wenig Werbung freuen.
    Vielleicht klappt es ja bei diesem Mal und sonst lesen wir uns sicher ganz bald wieder :-)
    Hier findest du die Ankündigung:
    http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2014/11/ankundigung-4-gemeinsames-lese.html

    Ich grüsse dich ganz lieb und wünsche dir auf jeden Fall einen schönen Abend
    Livia

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  2. Hellooow :D

    Ich liebe die Bücher von Márquez aber "Chronik eines angekündigten Todes" hat bei mir nur Albträume veursacht T_T Was ich toll fand, war es, dass Aureliano Buendia erwähnt wurde :)
    In einem Punkt des Buches wurde es richtig gesagt, man hätte die zwei von ihrer "Pflicht" entlasten können.

    Schöne Lesegrüße,
    Lumina -^^-

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