3. Dezember 2014

Rezension: Erbarmen von Jussi Adler-Olsen


Erbarmen ist der erste Fall für Carl Mørcks Sonderdezernat Q. Auf 420 Seiten erzählt Jussi Adler-Olsen die Leidensgeschichte der jungen und bildhübschen Abgeordneten Merete Lyngaard, die von ihren Peinigern festgehalten wird und wie der Fall vom Sonderdezernat Q neu aufgewickelt wird. Das Buch erschien im Deutschen Taschenbuchverlag 2009  und kostet 14,90 €.

Inhalt

Die Stimmung der Kollegen bei der Mordkommission schießt in den Keller, wenn Carl Mørck  den Raum betritt. Seit er und seine Partner Hardy und Anker in eine Schießerei gerieten, bei der Hardy schwer verletzt und Anker getötet wurde, ist der Vizekriminalkomissar Mørck  unleidlich. Da die Politik ohnehin ein Sonderdezernat für ungelöste, brisante Fälle fordert, schiebt der Chef der Mordkomission Mørck  kurzerhand in den Keller ab, überreicht ihm einen Stoß Akten und dazu einen lebenslustigen, erfrischenden Syrer namens Assad, der seiner schweren Vergangenheit zum Trotz unbeschwert und sehr neugierig daher kommt. Gemeinsam rollen sie den Fall der Merete Lyngaard wieder auf. Die junge Politikabgeordnete verschwand spurlos an Bord einer Fähre, die sie und ihren nach einem Unfall  geistig behinderten Bruder Uffe in den Urlaub bringen sollte. Merete bleibt verschollen,  ihr jüngerer Bruder muss in ein Heim. Dies geschah 2002. Nun, mittlerweile fünf Jahre später, wollen Mørck  und Assad  herausfinden, ob Merete Lyngaard tatsächlich Selbstmord beging. Doch schnell wird klar, dass die damaligen Ermittlungen schlampig geführt wurden und an der Sache etwas mehr als faul war!

Meinung

Jussi Adler-Olsen gelingt es in seinem Buch, eine gute Balance zwischen dem Fall Merete Lyngaard und dem Privatleben Carl Mørcks  herzustellen.  Allgemein kann man sagen, dass Adler-Olsens Roman sehr lebendig wirkt und tatsächlich aus der Realität gegriffen scheint. Es handelt sich um keinen Super-duper-Komissar, der alles auf den ersten Blick perfekt kombiniert. Es gibt den Fall erschwerende Schwierigkeiten, es gibt Spannung und es gibt eine gute Portion Biografie der Charaktere. Und nichts davon wirkt übertrieben. 

Das Buch ließt sich sehr angenehm und flüssig. Einmal in die Hand genommen ist es schwierig es auch wieder fort zu legen.  Die Personen sind sehr detailliert beschrieben und somit auch greifbarer für den Leser. Die Geschichte rund um Mørck und seine verunglückten Partner ist an sich schon interessant und spricht das Mitgefühl des Lesers an. Assad und Mørck  besuchen Hardy, der seit dem Unfall querschnittsgelähmt ist, regelmäßig und halten ihn über ihre Fälle auf dem Laufenden. Auch Assad ist eine sehr spannende und sympathische Person, die aber definitiv viel tiefgründiger ist als der Leser auf den ersten Blick vermutet. Der quirlige Syrer erweißt sich als durch und durch kompetenten Partner Carl Mørcks, der Assad eigentlich als "Mädchen für alles" einstellte und diesen nun plötzlich als Partner wahrnimmt. Gemeinsam sind sie ein wirklich gutes Gespann, da sie einander sehr gut ergänzen und Assad zu einem Großteil dazu beiträgt, dass Mørck  sich aus seiner verzwickten Situation befreit oder zumindest beginnt, seine Probleme zu bewältigen. 

Spannend ist auch die Vorgeschichte Merete Lyngaards, die die Behinderung des Bruders Uffe erklärt. Ebenso wunderbar durchdacht und höllisch spannend ist die Entführung Merete Lyngaards. Die junge Politikerin wird wie ein Versuchskaninchen in einer Druckkammer gefangen gehalten und ist sowohl der Druckveränderung (jedes Jahr steigt der Druck an), als auch dem psychischen Terror ihrer Entführer ausgeliefert. Adler-Olsen wechselt alle paar Kapitel in die Druckluftkammer und erzählt uns, wie Merete diese Torturen überhaupt überstehen konnte. Wie sie reagierte. 

Rundum ein wirklich gelungener Auftakt für das Sonderdezernat Q und es ärgert mich sehr, dass ich vor dem nächsten Band erst noch eine Reihe anderer Bücher lesen muss und werde. Für Krimifans ist Erbarmen definitiv ein absolutes Muss. 

Einzig die Durchschaubarkeit fand ich etwas schade. Ich habe bereits auf Seite 80 o.ä. geahnt, wer der Täter ist. Bestätigt wurde das Gefühl erst in den letzten Kapiteln. Und trotz meiner Ahnung hat der Roman auch keineswegs an Spannung verloren, eher noch Kapitel um Kapitel dazu gewonnen. Womöglich wusste ich auch so schnell Bescheid, weil meine Mutti das Buch schon gelesen hatte und ich ab und an etwas aufschnappte, wer weiß. Solltet ihr das Buch lesen könnt ihr mir ja berichten, ab wann ihr denn eine Ahnung hattet wer der Täter ist ;)





Kommentare:

  1. Ich finde die Reihe von Jussi Adler-Olsen wirklich super! Stecke gerade mitten in Band 5 und fand bisher keinen schlecht! Unbedingt weiterlesen :)

    LG Cat

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  2. Hallo Cat!

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Meine Mutti, durch die ich ja erst auf Jussi Adler-Olsen aufmerksam wurde, ist auch vollkommen begeistert von der Reihe. Der erste Buch hat mich unglaublich neugierig gemacht, vor allem auch auf den Werdegang von Assad und Morck. Ich werde beim nächsten Bücherei-Besuch definitiv zuerst an das Regal mit den Autoren "A" stürmen.

    LG,
    Lisa

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