31. Dezember 2015

Carmen Rohrbach: Mongolei. Zu Pferd durch das Land der Winde.


 Für mich  gibt es wohl kein größeres Sehnsuchtsland als die Mongolei. Zudem bin ich Reiterin. Es ist daher wohl nicht verwunderlich, dass ich mich sehr gefreut habe, als ich vor einigen Jahren dieses Buch von meinen Eltern geschenkt bekam. Leider habe ich dann nie die Zeit gefunden, es zu lesen; Rezensionsexemplare und geliehene Bücher gingen schlichtweg vor. Im Rahmen der Winterlesechallenge habe ich nun endlich nach diesem herrlichen Reisebericht der Autorin Carmen Rohrbach gegriffen. Definitiv zu spät- Aber bekanntlich ja lieber spät als nie. 

Die studierte Biologin erzählt mit großem sprachlichen Talent von ihren Aufenthalten im Land der Winde; der Mongolei. In einer ersten Reise "erkundet" sie das für sie noch unvertraute, aber geliebte Land. Etwa ein Jahr später kehrt die Autorin zurück und erfüllt sich den Wunsch, die Mongolei zu Pferd zu erkunden. Im mongolischen Holzsattel durchquert sie die facettenreiche Landschaft der Mongolei gemeinsam mit ihrem Führer Mandach, ihrem Pony Goldauge und drei weiteren Pferden. Die Autorin gewährt dem Leser einen beeindruckenden Einblick in das Leben der mongolischen Nomaden, in ihre Sorgen und Freuden. Die Mongolei ist ein beeindruckend schönes Land und Carmen Rohrbach beschwört die Bilder unendlicher, bildschöner Weiten vor dem inneren Auge des Lesers hervor. Für mich daher eine absolut Leseempfehlung für dieses sehr eindrucksvolle, schön bebilderte und spannende Buch. 



27. Dezember 2015

Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte

Normalerweise lese ich selten "nach der Jahreszeit". Dieses Jahr ließ ich es mir jedoch nicht nehmen und kaufte mir die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens und las diese über die Feiertage. Was soll  ich sagen. Diese sehr kostengünstige Ausgabe des Buches kommt mit einer sehr hochwertigen, für diesen Preis absolut fabelhaften Qualität daher. Die einzelnen Seiten sind mit Ornanemten umrankt und Illustrationen verschönern das Lesevergnügen um ein vielfaches. Die Geschichte Dickens ist nicht umsonst eine der beliebtesten der Weihnachtszeit. Die Geschichte über Ebenezer Scrooge   ist amüsant, herzlich, liebevoll und mit genau der richtigen Prise Moral und im Großen und Ganzen einfach herrlich weihnachtlich. Für mich die perfekte Feiertagslektüre und ich kann jedem empfehlen, diesen wunderschönen Klassiker (wieder) zu lesen :) 

Eine Weihnachtsgeschichte ♦ Charles Dickens ♦ Garant Verlag, 176 Seiten ♦ 3,99 €

25. Dezember 2015

Kathrin Schröder: Frau Kain regt sich auf


Heute, zum ersten Weihnachtsfeiertag, habe ich ein besonders passendes Buch beendet, das ich von der Autorin Kathrin Schöder als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.
Bereits auf den ersten Blick schloss ich das mit 200 Seiten recht dünne Büchlein ins Herz. In warmen gelb-orangen Farben gehalten, macht das niedliche Cover schon einiges her. 

Die Autorin ist ehrenamtliche Mitarbeiterin in der evangelischen Kirche und hat es sich mit diesem Buch zum Ziel gesetzt, die bekannten Geschichten der Bibel in knappen, humorvollen Geschichten wiederzugeben. Jede einzelne dieser Geschichten ist ihr gelungen.  
Dank des Studiums (Ja, als Germanist muss man die Bibel zumindest ansatzweise kennen!) und meiner Urgroßeltern bin ich nicht ganz fremd an die Geschichten heran getreten. Immer wieder habe ich die mir bekannten Figuren und Geschichten wiedererkannt. Frau Schröder schreibt dabei aus Sicht der "Nebenpersonen", man lernt also eine ganz neue Sichtweise auf die Geschehnisse kennen. Oft wirkt es, als befinde man sich als Leser im Zwiegespräch mit einem zufällig auf der Straße getroffenen Bekannten und dieser berichtet von seinen Erlebnissen. Schröder gelingt hier eine absolut humorvolle, spannende, kurzweilige Adaption der bekannten Bibelstoffe. Hier und da schlichen sich leider kleine Fehler in den Text. In dem mir zur Verfügung gestellten Exemplar fand ich Passagen, die ganz offensichtlich zur Umarbeitung gekennzeichnet wurden und dann im Endprodukt nicht umgeändert wurden. Das hat allerdings das Lesevergnügen keineswegs vermindert und ich kann auch nicht sagen, ob es sich dabei um einen in allen Exemplaren zu findenden Fehler handelt.

Diese wunderschöne Neubearbeitung ist meiner Meinung nach nicht nur für religiöse oder zumindest interessierte Menschen zu empfehlen. Die Geschichten tragen alle eine absolut allgemein gültige Moral in sich, die die Autorin gekonnt herausarbeitet und durch ihren erfrischenden, schönen Schreibstil vermittelt. Kathrin Schröder leistet so - meiner Meinung nach - auch einen wichtigen Beitrag für das Verständnis von Religion. 

Kathrin Schröder ♦ Frau Kain regt sich auf ♦ Books on demand; 2015 ♦ 200 Seiten ♦ 9,99 €

21. Dezember 2015

Wie sieht es bei euch aus, an welchen Challenges wollt ihr im nächsten Jahr teilnehmen?


Oh, die Frage gefällt mir heute richtig gut! Ich bin nämlich noch auf der Suche nach Challenges, an denen ich teilnehmen kann - habe ich schon erwähnt, dass ich challengeverrückt bin? - und werde nach Beantwortung erst einmal die Antworten der anderen nach Ideen durchforsten. Ich selbst habe folgende Challenges für 2016 bereits für mich entdeckt:


Und ja, ich nehme wirklich gern an vielen Challenges teil :) Für mich sind Challenges immer eine super Gelegenheit, auf Bücher aufmerksam zu werden, die ich so wohl nicht gelesen hätte. Außerdem macht es mir einfach richtig viel Spaß. 

17. Dezember 2015

Ankündigung: Blogtour


Auf dem Egmont Lyx Storyboard findet ihr nun die Ankündigung zur im Januar stattfindenden Blogtour zu Vanessa Sangues neuem Roman "Dark Hope - Verbindung des Schicksals". Noch bin ich nicht ganz fertig mit Lesen, aber eines kann ich euch bereits versichern: Das Buch ist FANTASTISCH und ein absolut würdiger Nachfolger des von mir bereits hoch gelobten ersten Bandes. Bei mir werdet ihr am 16.01.2016 alles über das schicksalhafte Jahr 2024 erfahren :) 





14. Dezember 2015

Montagsfrage: Bist du mit Büchern kritischer geworden, seit du bloggst?


Ich kann das glaube ich nicht so genau sagen. Zeitgleich mit dem Bloggen habe ich nämlich auch mein Studium der Literatur- und Sprachwissenschaft aufgenommen. Ich gehe definitiv kritischer mit Büchern um und mir fallen recht viel mehr Dinge auf. Früher habe ich "nur" gelesen. Mittlerweile durchdenke ich nicht nur die Handlung an sich, sondern auch die Sprache als solche. Ich vermute, dass das zum Teil mit dem Bloggen, zum Teil aber auch mit meiner Germanistik-Ausbildung zusammen hängt. 

12. Dezember 2015

Alexander Nastasi: Hitler zwei null

Hitler zwei null
Alexander Nastasi

525 Seiten
Gegenwartsliteratur
Polit-Thriller

eBook: 2,99 €
Taschenbuch: 9,95 €

Inhalt

Der Leibarzt Hitlers, der auch den Führungsstab des dritten Reiches betreute, konserviert vorsorglich Gen-Material der SS-Führung: Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Martin Bormann und natürlich Eva Braun. Jahre später, in den 70er Jahren, dient dieses Gen-Material einem perfiden Plan: Hitler und co. klonen und eine "Weltregierung" mit dem Führer an der Spitze aufbauen. Der Plan geht auf, die Klone übernehmen die Weltherrschaft. Doch diesmal getrieben vom Wunsch nach Frieden und Gleichheit. Sie etablieren eine Grundversorgung und umfassende Verbesserungen im Gesundheitswesen, beenden den Krieg und vieles mehr.

Meinung

Als Herr Nastasi an mich herantrat mit der Bitte seinen Roman zu rezensieren, sagte ich freudig zu. Hitler zwei null war genau "mein Ding". Als an Geschichte, besonders jüngster Geschichte, interessierter Mensch UND Germanist klang die Grundidee dieses Romans natürlich sehr spannend: ein geklonter Hitler, der die Fehler seines "Originals" nicht begehen würde. Ein Hitler, der für Frieden einsteht. Eine wirklich perfide Realität, die der Autor aufbaut. 
Die Grundidee  des Romans begeistert mich absolut. Dem Autor gelingt es eine Alternative zur tatsächlichen Historie  aufzubauen, die erschreckend wirkt. Leider hapert es an der Umsetzung. Die Sprache des Romans ist leider sehr fad. Oft erinnern die Sätze an blanke Aufzählung, Rechtschreib- und auch Tippfehler verzerren die Lektüre zusätzlich, teilweise sogar ins Komische. Er spricht z.B. davon, dass ein Kaffeetrinken "in die Analen der Geschichte eingehen würde." Das fehlende N macht hier natürlich einen fatalen Sinnunterschied. Das wäre jedoch nicht schlimm, wenn sich diese Fehler nicht so sehr häufen würden. Teilweise wirken die Sätze, als wäre ein Wort herausgestrichen oder eine Umarbeitung im Skript missglückt. Das entstellt teilweise Sätze so, dass der Sinn erst beim dritten oder vierten Lesen des Satzes erschlossen werden kann. Oft handelt es sich um ganz deutlich als solche zu erkennende Tippfehler. Eine gründlichere Korrektur hätte hier Wunder wirken können.
Auch der Handlungsverlauf kann nicht überzeugen. Die Geschichte besteht zu großen Anteilen aus den Reden der Persönlichkeiten. Diese sind klug durchdacht und auch gut geschrieben. Leider nehmen sie einfach soviel Platz ein, dass es langatmig wirkt. Ein wirklicher Spannungsbogen ist auch nicht zu erkennen. Es passiert im Grunde genommen nicht viel. Hitler wird heran gezüchtet, übernimmt mit erstaunlich schnellem Erfolg die Welt und regiert dann halt. Der einzige Nervenkitzel geht von einem auf Eva verübten Attentat aus, doch auch hier wird der Spannungsmoment in nur wenigen Sätzen abgewickelt. 
Die Personen haben mir ebenfalls großes Kopfzerbrechen beschert. Nicht etwa deren Umsetzung, sondern die Besetzung. Dass Nastasi Hitler und co. zum Leben erweckt finde ich nicht weiter dramatisch, sondern durchaus sehr spannend. Die Umsetzung der Personen ist sehr gut gelungen. Man erkennt deutlich die Veränderung und das Bemühen, besser als das Original zu handeln. Und doch schimmern immer wieder Charaktereigenschaften durch, die sehr authentisch wirken.  Was mich jedoch mit Fragezeichen im Kopf dastehen ließ, waren die "Nebenpersonen": Merkel, Bush & co. Ich habe Google ein wenig bemüht und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine solche Einbindung lebender Persönlichkeiten nicht unbedingt vorteilhaft ist.  Zumal Nastasi gleich mal zwei noch lebende US-(Vize)Präsidenten sterben lässt. Ich bin mir nicht sicher, ob das rechtlich so einfach möglich ist. Aber da will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und das soll auch nicht in die Bewertung einfließen, ich wollte es lediglich erwähnt wissen.

Insgesamt lässt sich die sehr interessante und gute Idee hervorheben, die leider schriftstellerisch nicht besonders vorteilhaft umgesetzt wurde. Sehr schade!


4. Dezember 2015

J.R. Ward: Blutopfer (Black Dagger 2)


Blutopfer
Black Dagger, Bd. 2
J.R. Ward

Heyne Verlag, 2007
320 Seiten
Fantasy; Vampire
7,95 €

Inhalt

Wrath sinnt auf Rache an den Lessern, die Darius getötet haben. Doch zugleich lernt er eine ganz neue Seite an sich selbst kennen: Liebe. Seine Liebe zu Beth ist so stark, dass er seine Bedenken beiseite wischt und sie zur "Gemahlin" nimmt. Doch der blinde König geht damit auch ein Risiko ein: Beth, die Königin, wird zu seiner Schwachstelle und so dauert es nicht lang, bis die Lesser ihre Chance wittern. Beth wird vom ominösen Mister X entführt. In einer lebensgefährlichen Aktion muss Wrath seine Angetraute nun retten.

Meinung

Band 2 hat mich nicht so umgehauen wie Band 1. Die Handlung war zwar nett, aber nicht außergewöhnlich und vor allem auch eher dünn. Es ist nicht viel passiert, bis auf Wraths und Beths Hochzeit, sowie die Anbandelung zwischen Marissa und Butch. Insgesamt war die Handlung sehr vorausschaubar. Ward ist es allerdings wieder gelungen, ihre Figuren sehr plastisch und liebenswürdig zu zeichnen. Besonders Szadist sticht mit da immer wieder ins Auge. Auf sein Geheimnis bin ich wirklich gespannt! Auch gefällt mir, wie Marissa und Butch einander näher kommen. Auch hier freue ich mich auf eine Fortsetzung. Band 2 ist eher so ein "Lückenfüller" wie ich finde. Die Handlung hätte gut und gerne noch in Band 1 untergebracht werden können, da die beiden Bände eine geschlossene Sinneinheit ergeben. 


30. November 2015

How To Be Parisian wherever you are: Liebe, Stil und Lässigkeit à la française

How To Be Parisian Wherever You Are
Liebe, Stil und Lässigkeit á la française
von  Anne Berest, Caroline de Maigret, Sophie Mas, Audrey Diwan

btb Verlag 2015
272 Seiten
Gebundene Ausgabe: 14,99 €

Klappentext

Millionen Frauen überall auf der Welt wollen so sein wie sie: die Pariserin. Denn nur sie schafft es, mit Stil, Charme und beneidenswerter Lässigkeit durchs Leben zu gehen. Sie sieht immer gut aus – obwohl sie sich keine Gedanken darüber macht, was sie morgens aus dem Kleiderschrank zieht. Sie ist eine liebevolle Mutter – und fährt trotzdem auch ohne Anhang an die Côte d‘Azur. Sie stellt toujours strikte Regeln auf – nur um jede einzelne von ihnen mit Genuss zu brechen ...

In How to be Parisian enthüllen vier Pariser Lifestyle-Ikonen mit viel Selbstironie und Witz den Mythos der Pariser Frau: ihre Allüren, ihre Nonchalance, ihren Style, wie sie liebt und wie sie ihre Tage und Nächte verbringt. Ihre wichtigste Lektion: Um eine echte Pariserin zu sein, kommt es nicht auf die Herkunft an – sondern allein auf die Einstellung!

Meinung

Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich mir sehr unsicher mit diesem Buch. Vielleicht gehöre ich nicht zur Zielgruppe, vielleicht habe ich es auch einfach nicht, bzw. falsch verstanden. Nach wie vor bin ich mir nicht sicher, ob es sich um einen ernstgemeinten Ratgeber handelt oder eine Satire auf die französischen Frauen. Stellenweise propagiert dieses Buch einen so oberflächlichen und exzentrischen Menschen, dass man doch kaum ernstlich danach streben kann.
Insgesamt ist dieses Buch durchwachsen; man findet  durchaus amüsante Passagen und Ratschläge, die man sich gern zu Herzen nimmt. Aber immer wieder stellen die Autorinen diese Vision eines Menschen in den Vordergrund, der oberflächlich ist; mit viel unnötigem Drama. 
Ein insgesamt sehr durchwachsenes Lesevergnügen, mit Highlights und Tiefpunkten die sich konsequent abwechseln. Den Hype verstehe ich definitiv nicht, der um dieses Buch gemacht wird. Für zwischendurch kann man sich dieses Buch ruhig mal zur Hand nehmen - aber lieber nicht zu ernst nehmen! 


28. November 2015

Gina Damico: Hellhole

Hellhole
Wenn der Teufel bei dir los ist...
von Gina Damico

Penhaligon Verlag, 2015
384 Seiten
Fantasy


Klappentext

Max ist ein stinknormaler Nerd. Mit stinknormalen Nerd-Hobbys (Games) und stinknormalen Nerd-Problemen (zu wenig Kohle für Games und keine Freundin). Doch als eines Tages ein ausgewachsener Teufel – rot, mit Hörnern und einem unglaublich derben Wortschatz – in seinen Keller einzieht, steht Max‘ Leben plötzlich Kopf: Burk macht sich auf der Couch breit, spielt den ganzen Tag Playstation und futtert alle Fastfood-Snacks auf, die sich im Haus befinden. Um jeden Preis muss Max den Teufel loswerden, schon um seiner schwerkranken Mutter den Schock ihres Lebens zu ersparen. Doch dann schlägt Burk ihm einen Deal vor: Er rettet das Leben von Max' Mutter, wenn dieser ihm eine Luxusvilla mit Whirlpool besorgt. Und schlagartig wird aus dem unscheinbaren Max ein kriminelles Mastermind wider Willen …

Inhalt in eigenen Worten

Max ist ein ganz normaler Teenager, ein Nerd. Allerdings muss er so manches mit seinen schmächtigen Schultern stemmen: seine Mutter leidet unter einer Herzerkrankung und ist dringend auf ein Spenderorgan angewiesen. Max pflegt seine alleinerziehende Mutter so gut er kann und rackert sich als Verkäufer an der Tankstelle den Hintern ab, um die Rechnungen zahlen zu können. 
Doch plötzlich sitzt der Teufel höchstpersönlich bei ihm im Keller und zockt. Es kommt zu einem ganz und gar unheimlichen Deal: Max besorgt dem fiesen Teufel Burk ein Haus mit Whirlpool, im Gegensatz sorgt dieser für eine Heilung von Max' Mutter. Und so entwickelt sich Max zwangsweise zu einem Superkriminellen. Gemeinsam mit seiner neu gewonnenen Bekanntschaft Lore bricht Max ein Gesetz nach dem anderen und bezahlt schlussendlich bitter für den Handel mit dem Teufel.

Meinung

Ich bin absolut positiv von diesem Buch überrascht! Bereits nach nur wenigen Seiten besticht Autorin Gina Damico mit ihrem herrlichen Humor. Dieses Buch ringt dem Leser wirklich Seite für Seite ein Lachen ab, so herrlich und auch herzlich ist es geschrieben. Die Sprache ist super locker, aber nicht etwa unangemessen. Der Roman liest sich super und hat wirklich viele überzeugende Stärken. 
Die Personen sind zum Greifen nah. Als Leser hatte ich sofort ein Gefühl der Verbundenheit. Bloß Audie, die beste Freundin Max', konnte mich nicht ganz für sich gewinnen. Aber sei es der verpeilte Max, die trübsinnige Lore oder die herzerwärmende Mutter Max' - sie alle waren einfach super! Sogar Burk war stellenweise regelrecht sympathisch.  
Die Handlung ist absolut durchdacht und folgt klar dem roten Faden. Der Roman wird personal aus Max' Sicht erzählt. Die Perspektive bleibt dieselbe, der Leser begleitet den  Protagonisten.  Mir hat zudem die Idee selbst sehr, sehr gut gefallen. Das Buch hat einen wirklich ernsten Hintergrund. Max verlässt den Bereich des Guten um seiner sterbenskranken Mutter zu helfen und provoziert damit unbewusst das Unheil vieler Menschen. Der Schluss ist exzellent. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber dieses Finale ist von der reinen Logik her, der Konsequenz und dem Inhalt nach einfach nur grandios. Einen besseren Schluss hätte ich mir für diesen Roman wirklich nicht wünschen können.

Fazit

Gina Damico gelingt mit diesem Buch der Spagat zwischen urkomischer Unterhaltungslektüre  und ernster Dramatik. Eine wirklich explosive, mitreißende Mischung! 


23. November 2015

Montagsfrage: Gab es dieses Jahr für euch ein Buch/Bücher, das/die ihr als totalen Flop bezeichnen würdet?


Definitiv: ja. Zum einen wäre das Gregs Tagebuch. [rezension] 
Dieses Buch wird war wirklich sehr gehyped und deswegen dachte ich mir: lies es doch auch mal. Natürlich kann man jetzt sagen: das ist ein Kinderbuch, das muss dir nicht gefallen. Aber mal abgesehen davon, dass viele auch als Erwachsene auf dieses Buch schwören, meinen Kindern würde ich es ebenfalls nicht zum Lesen geben.

Zudem gab es ein paar Indie-Autoren, die ich jetzt nicht unbedingt mit Namen nennen möchte. Allerdings fand ich es einfach schade, dass da pro Monat ein Buch herausgehauen wird, diese dann aber wirklich gänzlich unleserlich sind was Orthografie, Grammatik und Handlung angeht. Ich habe auch sehr, sehr viele gute Erfahrungen mit Indie-Autoren gemacht. Aber es gibt definitiv den ein oder anderen, der ein ganz schlechtes Licht auf diese Autoren wirft. 

16. November 2015

Montagsfrage: Liest du bei Büchern auch schonmal das Ende zuerst oder würde das dein Lesevergnügen zerstören?


Tatsächlich kommt das bei mir ab und an vor. Wenn mich eine Geschichte emotional sehr anspricht, erhoffe ich mir ein gutes Ende für meine (Lieblings-)Charaktere. Dann passiert es auch schonmal, dass ich vorweg blättere und schaue, ob die Geschichte in etwa so endet, wie ich es mir wünsche. Was wie "Spaßverderben" klingt, hat mir ganz im Gegenteil noch nie den Spaß am Buch genommen. Ich  genieße Bücher auch dann noch, wenn ich sie bzw. ihr Ende schon kenne. Ich spoiler mich allgemein ab und an selbst, ohne dass es mir etwas ausmacht. 

13. November 2015

Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt


Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt!
von Jeff Kinney

erschien im Bastei Lübbe Verlag
224 Seiten
8,99 € (Taschenbuch)

Comic-Roman
Ich lese wirklich nahezu ALLES was auf meinen Tisch kommt. Dieses Buch hingegen hätte ich selbst mir nicht ausgesucht. Nachdem jedoch alle kleinen Jungs in meinem Umfeld quengelten ála "Lisa, du bist doch so ein Bücherwurm. Jetzt lies das doch auch mal. Das ist soooo super." habe ich mich breit schlagen lassen. Ich lese ja allgemein auch gerne Kinderbücher, wie ihr vielleicht wisst.

Gregs Tagebuch konnte mich jedoch nicht wirklich überzeugen und ich verstehe den Hype darum nicht. Natürlich erhebt dieser Comic-Roman keinen Anspruch darauf, eine kohärente Erzählung zu bieten. Dennoch fehlt mir schlichtweg das Gewisse Etwas. Die Geschichte erzählt Episoden aus dem Leben eines meiner Meinung nach egoistischen, frechen, feigen, schadenfrohen Jungen. Ich möchte weiß Gott nicht als Spießer dastehen, kleine Jungen sind keine Heiligen und dieses Buch ist nur deswegen so berühmt, weil sich die Jungs damit identifizieren können. Dennoch... Im Endeffekt sind die Scherze meist auf Kosten anderer und  Greg kommt ohne Probleme davon, bzw. findet ein Schlupfloch.  Das vermittelt kein schönes Bild eines "Romanhelden". Stellenweise fand ich das Buch zudem ein bisschen vulgär, wirklich witzig fand 
Die Zeichnungen sind sehr niedlich, aber können es jetzt natürlich nicht unbedingt rausreißen.

Im Groben und Ganzen ein Buch, dass ich selbst nicht unbedingt lesen möchte und auch meinen nicht vorhanden Kindern nicht in die Hand drücken würde.  Ein Sternchen bekommt es trotzdem aufgrund der eigentlich hübschen Bilder und der Tatsache, dass es leseresistente Jungs zum Lesen bringt.






10. November 2015

Gemeinsam Lesen





1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?Ich lese "Hellhole - Wenn der Teufel bei dir lost ist..." von Gina Damico. Ich bin auf S. 67.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?Der köstliche Geruch von gebratenem Speck weckte Max.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?Ich bin absolut positiv überrascht! Ich hätte mir das Buch wahrscheinlich nicht selbst ausgesucht, so ehrlich muss ich sein. Es handelt sich um ein Rezensionsexemplar. Allerdings bin ich bereits nach wenigen Seiten aus den Latschen gekippt, so grandios ist dieses Buch geschrieben, Damico hat einen unfassbar witzigen Sprachstil. Man kommt durch keine Seite ohne ein fettes Grinsen. Gleichzeitig gibt es auch eine gehörige Prise Drama, da die Mutter des Protagonisten schwer krank ist. Besonders weit bin ich noch nicht, aber ich freue mich total aufs Weiterlesen.

4. Wählst du bestimmte Bücher abhängig von der Jahreszeit aus? (Frage von Jana)
Nein. Ich lese meist das, was mir so über den Weg läuft :D Ich wähle eigentlich selten wirklich gezielt Bücher aus, meist lese ich Rezensionsexemplare oder Bücher, die mir in unserer Bibliothek ins Auge stechen. 

9. November 2015

J.R. Ward: Nachtjagd (BD 1)

Nachtjagd
J.R. Ward
Black Dagger, Bd. 1
Heyne Verlag
268 Seiten

Klappentext

Das Leben der jungen Beth Randall verläuft eigentlich in ruhigen Bahnen – sie lebt in einem zu kleinen Apartment, geht selten aus und hat einen schlecht bezahlten Reporterjob bei einer kleinen Zeitung in Caldwell, New York. Ihr Job ist es auch, der sie an den Tatort eines ungewöhnlichen Mordes führt: Vor einem Club ist ein Mann bei der Explosion einer Autobombe gestorben, und die Polizei kann keinen Hinweis auf die wahre Identität des Toten finden. Dann trifft Beth auf den geheimnisvollen Wrath, der in Zusammenhang mit dem Mord zu stehen scheint. Der attraktive Fremde übt eine unheimliche Anziehung auf sie aus, der sie sich nicht entziehen kann. Während sie sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Wrath einlässt, wächst in ihr der Verdacht, dass er der gesuchte Mörder ist. Und Wrath hat noch ein paar Überraschungen mehr für sie auf Lager, denn er behauptet, ein Vampir zu sein – und das Oberhaupt der Bruderschaft der BLACK DAGGER, die seit Jahrhunderten einen gnadenlosen Krieg um das Schicksal der Welt führen muss ….

Inhalt in eigenen Worten 

Beth Randall ist eine attraktive, junge Frau in den Mittzwanzigern und Redakteurin eines Lokalblatts. Die vermeintliche Waise wird jedoch plötzlich aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, als ein mysteriöser, gutaussehender Mann vor ihrer Haustür steht. Er versucht Beth davon zu überzeugen, dass ihr kürzlich verstorbener Vater ihn zu ihr sendet um sie auf dem schwierigen Weg ihrer Wandlung zu begleiten. Denn - und hier fällt Beth aus allen Wochen - sie ist eine Halbvampirin und nur das starke Blut des Vampirkönigs Wrath kann ihr eine gewisse Überlebensmöglichkeit sichern. Wrath kümmert sich also rein geschäftlich um die Tochter seines einstigen Freundes, der wie er der Bruderschaft der Black Dagger angehört. Doch schnell kommen Gefühle ins Spiel, die dem eiskalten Vampir bis dato nicht bekannt waren und die Lage wird ganz und gar verzwickt.

Meinung

Ich habe diese Reihe angefangen, nachdem sie mir  mehrfach  empfohlen wurde und nach dem ersten Band bereue ich es definitiv nicht, diesem guten Rat auch gefolgt zu sein. An sich hat man es mit einer weiteren "x-beliebigen" Vampirromanreihe zu tun, die mit viel Sex und Liebe gewürzt zu einem guten Gesamtpaket verschnürt wird. Wenn man aber - wie ich - auf genau solche Geschichten steht, ist man bei J.R. Ward ganz an der richtigen Adresse. Mit einem locker-fluffigen Erzählstil wird der Leser sofort in die Welt der Black Dagger gelockt, die mit aufregenden und spannenden Charakteren aufzuwarten weiß. Die Brüder der Gruppierung sind bis jetzt zwar noch nicht wirklich bekannt - bis auf Wrath - aber bereits im ersten Band weckt die Autorin Interesse für die anderen Mitglieder der Bruderschaft. Sie alle scheinen eine interessante Geschichte ihr eigen nennen zu dürfen und so wird man natürlich auch auf die Folgebücher neugierig. 
Insgesamt also für Vampir-Fans eine absolut empfehlenswerte Reihe mit viel Potential für folgende Bände. Ich bin jetzt jedenfalls schon gespannt wie ein Flitzebogen und beginne bald mit Band 2. 

Montagsfrage: Besitzt du Bücher, die vom Autor signiert wurden?


Ja, ich besitze Bücher die vom Autor signiert wurden :) Ich habe viele signierte Rezensionsexemplare erhalten mit teilweise sehr, sehr schönen und persönlichen Widmungen. Darüber freue ich mich jedes Mal wieder. Mein Schätzchen allerdings ist die signierte Ausgabe von Jussi Adler-Olsens "Verheissung". Ich bin zur Leipziger Buchmesse ganz zufällig einfach so in meinen Lieblingsautoren hinein gestolpert. Da musste ich natürlich ein signiertes Exemplar, sowie ein Foto mit ihm ergattern :D Die Widmung richtet sich in diesem Falle an meine Mutti und mich. Sie war zwar nicht mit auf der Messer (Das ist nichts für sie :D), aber sie war es, die mich erst auf Herrn Adler-Olsen aufmerksam gemacht hat. Das Buch gehört daher uns beiden. 

Mein signiertes Exemplar von Jussi Adler-Olsens "Verheissung",
dem  sechsten Fall von Carl Morck.


6. November 2015

Gabriele Ennemann: Thalam


Thalam
von Gabriele Ennemann
Riverfield Verlag, 2015
336 Seiten, Hardcover
Fantasy, Jugendbuch
19,90 €

Klappentext

Nie im Leben hätte der 15-jährige Gidion gedacht, dass er einmal ein richtiger Held sein würde. Doch als er bei einem seiner heimlichen nächtlichen Ausflüge beobachtet, wie feindliche Jäger an der Küste Thalams landen, überstürzen sich die Ereignisse. Gidion erfährt, dass er zu den Avantgarde gehört: vier Auserwählte, die sich den dunklen Mächten stellen. Auf ihrer abenteuerlichen Reise in die unbekannte Unten-Welt treffen sie geheimnisvolle Wesen, die ihnen nicht immer wohlgesonnen sind. Schließlich kommt es zum entscheidenden Kampf ... Dieser Roman für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren schlägt eine Brücke zwischen zwei Welten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Der Autorin wurde schon im Grundschulzeugnis attestiert: „Gabriele hat zu viel Fantasie.“

Inhalt 

Der 15-jährige Gidion stiehlt sich nachts heimlich aus dem Bett, als er die gefährlichen Jaher beim Raub der Lebensachse beobachtet. Daraufhin überschlagen sich die Ereignisse. Gidion reist mit seinem Ziehvater in den Palast und gehört wenig später einer kleinen Gruppe auserwählter Krieger an, die Avantgarde. Gemeinsam ziehen sie in das dunkle Reich der Angat und kämpfen um die Rückkehr der Lebensachse, ehe die Welt wie man sie kennt aus den Fugen gerät.

Meinung

Bereits im Prolog wird der Leser mit den fantastischen Welten der Gabriele Ennemann vertraut gemacht. Sie entwirft eine meiner Meinung nach noch nicht dagewesene Weltenkonstellation, die für den Leser recht schnell begreifbar wird, auch wenn der "Aufbau" dieses Universums etwas schwer nachzuvollziehen ist. Aber der Wunsch zu wissen "was die Welt im Innersten zusammenhält" ist Aufgabe Fausts, nicht meine. Soviel sei aber gesagt: es gibt verschiedene "Welten", die parallel existieren und zwischen denen man wechseln kann. Die Welt der Menschen, die Unter-Welt und die Welt Thalam, sowie die Welt der Angat. 
Die Geschichte selbst verfolgt einen klaren Aufbau und ist absolut nachvollziehbar. Die Perspektiven wechseln kapitelweise; einmal aus Sicht Gidions und einmal ein auktorialer Erzähler, der die anderen Geschehnisse beleuchtet. Dieses Hin und Her zwischen dem Ich-Erzähler und dem auktorialen Erzähler war teilweise etwas  holprig zu verfolgen, ergibt im Rahmen der Handlung aber durchaus Sinn. 
Die Personen sind lebendig aus Ennemanns Worten hervorgetreten, auch wenn mir einige der Protagonisten nicht recht sympathisch werden wollten. Umso sympathischer im Übrigen Eugen, die Raupe. Ich habe mich jedes Mal wieder gefreut, wenn er ins Rampenlicht treten durfte.  Die "Bösewichte" wirkten auf mich teilweise auch etwas unbeholfen und karikiert. Ich vermute aber das hängt damit zusammen, dass sich dieses Buch an ein breites Publikum richtet und vor allem junge Leser ansprechen soll. 
Einige Teile der Handlung hätte ich mir ausführlicher beschrieben gewünscht. Die Spannung wird immer wieder aufgebaut, die Helden geraden von einer Zwickmühle in die andere und doch wirkten einige Szenen zu schnell abgewickelt, was dann einen oberflächlichen Eindruck erweckte. 

Insgesamt ein Fantasy-Roman mit sehr viel Potential und Herzblut geschrieben. Die volle Punktzahl verkneife ich mir aufgrund der kleinen Schwächen Im Großen und Ganzen jedoch ein wundervoller Roman. 

 

3. November 2015

Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe


Bilder deiner großen Liebe
von Wolfgang Herrndorf
Rowohlt, 2014
144 Seiten
Gebundene Ausgabe: 16,95 €
Taschenbuch: 9,99 €

Klappentext

Ein Mädchen steht im Hof einer Anstalt. Das Tor geht auf, das Mädchen huscht hinaus und beginnt seine Reise, durch Wälder, Felder, Dörfer und an der Autobahn entlang: «Die Sterne wandern, und ich wandre auch.» Isa heißt sie, und Isa wird den Menschen begegnen – freundlichen wie rätselhaften, schlechten wie traurigen. Einem Binnenschiffer, der vielleicht ein Bankräuber ist, einem merkwürdigen Schriftsteller, einem toten Förster, einem Fernfahrer auf Abwegen. Und auf einer Müllhalde trifft sie zwei Vierzehnjährige, einer davon, der schüchterne Blonde, gefällt ihr. An dem Roman über die verlorene, verrückte, hinreißende Isa hat Wolfgang Herrndorf bis zuletzt gearbeitet, er hat ihn selbst noch zur Veröffentlichung bestimmt. Eine romantische Wanderschaft durch Tage und Nächte; unvollendet und doch ein unvergessliches Leseerlebnis. «Ich halte das Tagebuch wie einen Kompass vor mich hin. Pappelsamen schneien um mich herum, und der süße Duft der Lichtnelken strömt durch die Nächte. Ich sehe einen Wald, aus dem vier hohe Masten aufragen über die Baumwipfel. Am Waldrand steht eine kleine Hütte, die Teil eines Wanderwegs ist, wie drei eingekastelte Zeichen verraten. Ein schwarzer Gedankenstrich, eine gelbe Schlange, ein rotes Dreieck. Mein Name.»

Inhalt in eigenen Worten

Die Jugendliche Isa (Man kennt sie bereits aus Tschick, sofern man's gelesen hat!) schlüpft  hinter einem LKW aus dem gesicherten Gelände einer psychiatrischen Anstalt.  Das Mädchen begibt sich nun ganz in Tschick-Manier auf einen Roadtrip, diesmal allerdings zu Fuß. Ohne Geld. Ohne saubere Kleidung. Ohne Schuhe. Und dabei begegnet Isa den verschiedensten Menschen: einem lüsternen LKW-Fahrer, einem Schiffer und natürlich Tschick und Maik. Dabei lernen wir die verworrene Geschichte Isas kennen, ohne so richtig zu wissen, was nun der Wahrheit entspricht und was nicht.

Meinung 

Bereits der erste Absatz des Romans hat mich in den Bann von Herrndorfs Sprache gezogen. 

Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheiert. Weil das viele Leute denken, dass die superkomplett bescheuert sind, die Verrückten, nur weil sie komisch rumlaufen und schreien und auf den Gehweg kacken und was nicht alles. Und das ist ja auch so. Aber so fühlt es sich nicht an, jedenfalls nicht von innen, jedenfalls nicht immer.

Im melancholisch-amüsanten Plauderton jongliert Herrndorf mit den Worten, dass es allein der Sprache wegen ein großes Lesevergnügen darstellt. Auch die Handlung, die in sich nicht immer schlüssig erscheint, überzeugt. Diese Unschlüssigkeit und Unstimmigkeit ist jedoch, vermute ich, vom Autor genau so intendiert. Einmal ist Isas Vater tot, einmal wohl lebendig, einmal vom Meteorit erschlagen. Meiner Meinung nach illustriert das sehr geschickt die "Verrücktheit", die Isa in gewisser Weise unterstellt wird. Wobei nicht genau klar ist, worin sich ihre psychische Erkrankung ausdrückt. 
Herrndorf lässt ein eher diffuses Bild der Protagonistin entstehen, nach dem man sich dennoch fühlt, als kenne man Isa. Sie ist mit Abstand eine der sympathischsten Hauptfiguren, die ich kenne. Insgesamt ist das Buch von diesem Melancholischen gesprägt und doch wird einem immer wieder ein Lächeln abgerungen. Ein durch und durch gelungenes Buch, wie ich finde. Und bis jetzt - ich habe noch nicht alle Werke des Autors gelesen - das wohl stärkste und schönste für mich.


Montagsfrage & Gemeinsam lesen # 03.11.2015

Da ich die Montagsfrage gestern leider verschlafen habe, kommen diese zwei tollen Aktionen heute in einem Doppelpost :) 


Montagsfrage: Falls ihr dieses Jahr an Challenges teilnehmt, wie gut seid ihr bisher vorangekommen?


Ich finde, ich bin ganz gut voran gekommen. Die Zahlen sehen wiefolgt aus:

Bücherkultur-Challenge: 2/150
An die Bücher.... : 31/48
Daggis Bücherchallenge: 41/60
Seitenleserchallenge: 16 654 Seiten
Winterlesechallenge: 5/14
Rory Gilmore Challenge: 0/330
100 Bücher (Jugendbücher): 3/100
100 Bücher (BBC): 2/100
Challenge der Gegenteile: 54/80

Hier und da geht klar noch mehr :D Gerade die RoryGilmore-Challenge & so. Die sind allerdings zeitlich unbegrenzt, daher bin ich da trotzdem ganz zufrieden C: 


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese Bilder deiner großen Liebe von Wolfgang Herrndorf.  Ich bin auf S. 104/140.
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Auf der Empfangstheke steht eine Klingel.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ich kann ja glaube ich nicht mehr verheimlichen, dass sich Wolfgang Herrndorf ohne Gnade als Lieblingsautor in mein Herz geschlichen hat. Ich bewundere diesen Mann und ich bin unglaublich traurig, dass er so früh schon sterben musste. "Bilder deiner großen Liebe" ist sein letztes, unvollendetes Werk und die Sprachgewalt haut mich so zu sagen von den Socken, anders kann ich das jetzt gar nicht sagen :D Ich kann auch gar nicht beschreiben, woran genau es liegt. Der Leser hat es hier definitiv (und zum Glück!) nicht mit besonders gehobener, poetischer Sprache zu tun. Herrndorf plaudert eher locker vor sich hin und jongliert dabei mit der deutschen Sprache, dass ich mir reihenweise Zitate aus dem Buch schreibe.

4. Ist die Altersangabe eines Buches bei eurer Auswahl entscheidend?
Absolut nicht. nein. Ich schaue gar nicht danach und wenn mir ein Kinderbuch gefällt, lese ich es. 

1. November 2015

A.A. Milne: Winnieh-the-Pooh


Wer kennt ihn eigentlich nicht, den honiglebenden Pooh-Bär mit all seinen Freunden? Ich zumindest bin damals mit den Geschichten rund um Rabbit, Christopher Robin, Pooh und Ferkel aufgewachsen. Nun, da ich mich vermehrt mit englischsprachiger Literatur beschäftigen möchte, kam mir dieses Buch also mehr als gelegen. Es fiel mir eher zufällig in die Hand während des Bibliotheksbesuches. Und ich muss sagen: dieses Buch sollte man wenn möglich auf Englisch genießen. Denn Milne steckt soviel Wortwitz und Sprachspiel hinein,  dass die deutsche Übersetzung dem intelligenten Text kaum gerecht werden kann und allein eine hübsche Geschichte übrig bleibt. 

Im vorliegenden Buch sind verschiedene Kurzgeschichten über Winnie-The-Pooh niedergeschrieben, z.B. wie Eyeore (Im Deutschen I-Aah.) seinen Schwanz wiederfindet, Piglet von Christopher Robin und Pooh vor der Flut gerettet wird und Rabbit sich mit Roo anfreundet. Immer wieder stechen die kleinen Sprachspiele hervor, die das Lesen nebst der herzerwärmenden Geschichten zu einem wirklich lustigen Erlebnis machen. Die Zeichnungen, die den Text unterstützen, sind wunderschön. Also auch ein riesengroßes Kompliment an den Zeichner. Die Gestaltung macht auch vor den Worten nicht Halt. An einer Stelle hüpft Ferkel in Kängas Beutel mit und nicht nur die liebende Mutter Roos hüpft auf und nieder, auch die Worte werden in einer Art "Zickzack" dargestellt. 

Zum Schluss des Reclam-Bandes findet der Leser noch eine kleine Geschichte rund um Pooh; Wer war Milne? Und wie stand der echte Christopher Robin (ja, es gab ihn wirklich) zu der Geschichte, die sein Vater da spann? 

Ich kann das Büchlein auf jeden Fall für all jene empfehlen, die sich ein bisschen in Kindertage zurückversetzen wollen, Bücher und Geschichten wie diese mögen oder einen amüsanten, für Anfänger tauglichen Englischen Text suchen. 


31. Oktober 2015

Julie Kagawa: Talon - Drachenzeit

Talon: Drachenzeit
Band 1
von Julie Kagawa
Heyne Verlag
5. Oktober 2015
560 Seiten

Gebundene Ausgabe: 16,99 €
eBook: 13,99 €

Klappentext

Strand, Meer, Partys – einen herrlichen Sommer lang darf Ember Hill das Leben eines ganz gewöhnlichen kalifornischen Mädchens leben! Danach muss sie in die strenge Welt des Talon-Ordens zurückkehren – und kämpfen. Denn Ember verbirgt ein unglaubliches Geheimnis: Sie ist ein Drache in Menschengestalt, auserwählt, um gegen die Todfeinde der Drachen, die Krieger des Geheimordens St. Georg, zu kämpfen. 

Garret ist einer jener Krieger, und er hat Ember sofort als Gefahr erkannt. Doch je näher er ihr kommt, umso mehr entflammt er für das ebenso schöne wie mutige Mädchen. Und plötzlich stellt er alles, was er je über Drachen gelernt hat, infrage …

Inhalt in eigenen Worten

Ember und Dante Hill sind etwas Besonderes in der Drachenwelt: sie sind Zwillinge. Gemeinsam werden sie wohlbehütet in Talon aufgezogen und sollen nun, mittlerweile Teenager, in die menschliche Gesellschaft eingeschleust werden. Als hübsche rothaarige und  grünäugige Teenager finden Dante und Ember schnell Anschluss. Und besonders Ember genießt die Vorzüge des "Beachgirl"-Daseins. Sie surft, verbringt die Tage mit Freundinnen und schlürft einen Smoothie nach dem anderen. Doch dann tritt Garret in ihr Leben und die sehr menschlichen Gefühle des Drachenmädchens werden beinahe überstrapaziert. Schlimm nur: Garret gehört zu dem Orden des Heiligen Georg und ist somit eigentlich ihr Todfeind. Hinzu kommt die heimlich verlaufende, alle Kräfte zehrende Ausbildung Talons.  Es ist daher kein Zufall, dass ihr in dieser wunderschönen Kulisse plötzlich ein wahnsinnig wilder Biker über den Weg läuft, ein Abtrünniger Talons. Und nun steht die junge, ungestüme Ember vor der Entscheidung: Talon oder die Freiheit. Und was ist mit ihren Gefühlen für Garret? Und was mit ihrem Bruder? 

Meinung

Sprachlich gibt es an diesem Roman nichts zu meckern. Die Sprache ist bildhaft und spannend, die Handlung geht rasant und packend voran und wird durch die häufigen Perspektivwechsel unterstützt. Kapitelweise erfahren wir die Handlung aus Sicht Embers, Garrets und später auch aus Sicht Rileys. Das macht es am Anfang zwar etwas schwierig, weil man andauernd umswitchen muss, aber im Endeffekt macht genau dieser Wechsel einen Großteil des Charmes und der Spannung aus. Die Handlung wird immer wieder aus anderen Winkeln beleuchtet und verdichtet sich so zu einem großen Ganzen.
Die Handlung baut auf dem klassischen Romeo-und-Julia-Schema auf. Zwei Liebende, die sich eigentlich nicht lieben dürfen. Wobei in diesem Falle Garret sehr wohl die Gefahren kennt, da Ember seine Zielperson ist. Das Mädchen hingegen weiß von ihrem Glück natürlich noch nichts und sieht in dem Elitesoldaten einen gewöhnlichen Jungen. Insgesamt hat mir die Handlung sehr gut gefallen, da sich mit Talon ein neuer, spannender und schöner Drachen-Mythos entspinnt. Der Handlungsaufbau und das Setting sind sehr komplex. Das Reich Talon wird sehr plastisch dargestellt und die Hinundhergerissenheit Embers ist absolut nachvollziehbar, womit wir bei den Personen wären. Diese fand ich durchweg absolut gelungen. Jede Figur hatte etwas absolut Eigenes an sich, war plastisch herausgearbeitet, greifbar und je nachdem sympathisch oder - aber zum Glück nur wenn gewollt - absolut unsympathisch. Ember, als der wilde und ungestüme Wildfang mit Drang nach Freiheit, gerät in den Strudel nur all zu menschlicher Emotionen und spürt so den Drachen mit dem Menschen in sich kämpfen. Garret hat es mir persönlich ohnehin angetan. Er, der Liebe gar nicht kennt, verstrickt sich immer weiter in seinen Gefühlen zu Ember und gerät so in den Konflikt zwischen Liebe und Loyalität zu seinem Orden.  Der Autorin gelingt die Darstellung dieses inneren Zwiespaltes glänzend! Dante, der Bruder Embers, macht auch eine sehr interessante Wandlung durch: vom großen Bruder zum Verräter. Das hat mir auch sehr gut gefallen. Auch die anderen Charaktere sind wundervoll beschrieben und erdacht. Der Cliffhanger ist natürlich ein wenig fies, jetzt muss ich doch tatsächlich ein paar Monate warten :D Aber selbst der ist herrlich. Nicht so niederschmetternd wie bei manch anderen Serien. Vielmehr sehr hoffnungsvoll und erfüllt genau seinen Zweck: ich werde nun hibbelig warten. 
Insgesamt bin ich positiv von diesem Drachenroman überrascht und kann es kaum erwarten, bis der zweite Band im Januar veröffentlicht wird. Talon hat, wie ich finde, alle Punkte verdient. In meinen Augen handelt es sich um eine geniale neue Drachen-Serie.  




27. Oktober 2015

Wolfgang Herrndorf: Sand

Sand
Wolfgang Herrndorf
Rowohlt Verlag, 2011
480 Seiten

Klappentext

«Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und über­prüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trink­wasser, goss den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sand­farbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsun­kundige Frau in einem Auto hier­herzubestellen.» Während in München Palästinenser des «Schwarzen September» das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis – Nordafrika 1972.

Inhalt

Carl - so wird er kurzerhand genannt - kann sich an nichts erinnern. Als er in einer Scheune erwacht, ist er sich seines eigenen Namens nicht mehr bewusst. Eines jedoch ist klar: man ist hinter ihm her. Natürlich tritt der attraktive Araber die Flucht durch die Wüste an und trifft dabei auf die hübsche, jedoch unterkühlte Amerikanerin Helen. Gemeinsam versuchen sie, das Rätsel seiner Existenz zu lösen. Dabei verirren sie sich immer wieder in Verstrickungen, die auf eine vermeintliche kriminelle Vita Carls hindeuten. Und am Ende kommt doch alles anders als erwartet und der Roman endet mit dem berühmten Paukenschlag.

Meinung

Ich habe lange überlegt, wieviele Sterne ich dem Roman gebe. Bis etwa zur Hälfte des Buches tendierte ich zur vier, da ich es schwierig fand in den Roman hinein zu finden. Aber dann wurde mir Kapitel um Kapitel bewusst, dass es Herrndorf auch genau darauf auslegte!  Immer wieder knüpft und spinnt der Autor neue Handlungsfäden, lässt sie im Sand verlaufen. Realität, Traum, Schatten- und Scheinwelt verwischen. Der Leser wird ebenso wie de Protagonist Carl an der Nase herum geführt und begibt sich in das schier unbegreifliche Geflecht einer vergessenen Biografie. Und ganz nebenbei wird in einem Kriminalfall ermittelt, was dem Roman neben der sprachlichen Gewalt die nötige Brise Thrill verleiht. 
Sprachlich wie gesagt fulminant, wie man es von dem leider verstorbenen Autor aus Werken wie Tschick gewohnt ist. Besonders ansprechend empfand ich auch die den Kapiteln zur Seite gestellten Zitate, die wie ein "Motto" über dem Geschriebenen thronten und alles in ein weiteres Licht zu werfen vermochten. 
Mich wundert nicht, dass dieser Roman es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises im Jahr 2012 schaffte. Sand ist ein atemberaubender Roman, den man definitiv nicht nur einmal lesen sollte und auch nicht nur einmal wird lesen wollen. Ich glaube es handelt sich hier um einen Roman, der beim wiederholten Lesen nicht langweilig wird und immer weitere Details offenbart, die einem am Anfang gar nicht so bewusst waren. 
Herrndorf hat sich mit diesem Roman wieder einmal als einer meiner Lieblingsautoren bestätigt. Wer kluge Literatur mit einigen kniffligen Gedankenkapriolen zu schätzen weiß, ist hier an genau der richtigen Adresse. 


Gemeinsam Lesen





1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese Sand von Wolfgang Herrndorf. Ich bin auf S. 336.



2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Spät in der Nacht kroch er zurück ins Bett.


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Am Anfang fand ich es ungemein schwierig in den Roman hinein zu finden. Es lief irgendwie alles drunter und drüber und kreuz und quer und so richtig habe ich die Handlung nicht fassen können. Als diese "Startschwierigkeiten" jedoch überwunden waren, entwickelte das Buch einen richtigen Sog, es wurde super spannend und nun kann man es kaum noch aus der Hand legen. Wenn man sich also "überwindet" über die ersten Seiten hinweg ein wenig planlos zu lesen (:D), entwickelt sich dieser Roman zu einem absolut grandiosen Thriller. Zudem muss man anmerken, dass Herrndorfs Sprache einfach wundervoll ist. Dieses Buch zu lesen lohnt sich allein wegen des Sprachgenies Wolfgang Herrndorf.



4. Hast du schon Weihnachts-Bücher in den Startlöchern stehen? :) Gibt es ein Lieblings-Buch was du jedes Jahr an Weihnachten nochmal liest?

Nein, Ich passe meine Lektüre nicht an saisonale (oder andere) Gegebenheiten an. Ich lese, was ich gerade so in die Finger kriege. Nichts anderes. Von daher bin ich da jetzt nicht so, dass ich ein "Weihnachtslieblingsbuch" habe, Ich krame aber immer wieder gern die alte Kinderbibel aus, die ich als kleines Kind von meiner Uroma zu Weihnachten geschenkt bekam.

26. Oktober 2015

Montagsfrage: Halloween naht, stimmt ihr euch mit passender Lektüre ein oder macht ihr euch nichts daraus?


Für gewöhnlich mache ich mir nichts aus Halloween. Ich ärgere mich bloß, weil die Dorfjugend (16+) teilweise mehrfach an der Tür steht und um Süßigkeiten bettelt :D  An sich beeinflussen Tage wie diese auch mein Leseverhalten nicht. Ich lese ohnehin was gerade da ist, was ich mir in der Bibliothek geholt habe und so weiter. Ich lese auch zu Weihnachten ein Buch, das im Sommer spielt und umgekehrt. Meine Lektüre wähle ich zu 99% nicht nach dem aktuellen "Leben" aus; kann man das so sagen?! :D Feiertage, Jahreszeiten & co spielen bei mir keine Rolle.

22. Oktober 2015

Mich hat Auschwitz nie verlassen


"Mich hat Auschwitz nie verlassen"
Überlebende des Konzentrationslagers berichten

hrsg. von: Susanne Beyer, Martin Doerry

Deutsche Verlags-Anstalt 2015
288 Seiten
Gebundene Ausgabe: 29,99 €

Sachbuch; Deutsche Geschichte; Judenverfolgung; Holocaust

Klappentext

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen waren hier von den Nationalsozialisten ermordet worden; nur wenige Gefangene kamen mit dem Leben davon. Diejenigen, die die Lagerhaft überlebten, konnten oder wollten in den Jahren nach der Befreiung meist nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Sie fühlten sich außer Stande, über die Exzesse der Entwürdigung, die sie in Auschwitz erfahren mussten, zu reden, oder sie fanden für ihre Erinnerungen kein Gehör.

Weltweit haben SPIEGEL-Redakteure und -Mitarbeiter nun ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers besucht und befragt, Susanne Beyer und Martin Doerry haben diese Berichte in einem Buch zusammengestellt. Die beeindruckenden Schilderungen der letzten überlebenden Zeugen von Auschwitz werden reich bebildert mit Porträts, die die Fotografen Sara Lewkowicz und Dmitrij Leltschuk für diesen Band anfertigten.

Inhalt

Bei Mich hat Auschwitz nie verlassen handelt es sich um eine Sammlung von Augenzeugenberichten. Insgesamt 19 Personen sprechen von dem, was für uns unmöglich erscheint. Es gibt nur noch wenige, die von  den schrecklichen Verbrechen berichten können. Im vorliegenden Sachbuch geben die 19 Befragten ihre Geschichte wider, beschreiben den Alltag im Lager und lassen so den Leser an ihrer ganz persönlichen Leidensgeschichte teilhaben. Es ist unmöglich dieses Buch ohne einen Kloß im Hals zu lesen. Der Leser erfährt unter anderem, dass ein Baby von der eigenen Mutter erstickt wurde aus Furcht, des Geschrei könne die Gestapo anlocken. Ein junges Mädchen wird in einen Graben voller Exkremente geworfen. Was im Geschichtsunterricht teilweise trocken daher kommt, wird hier mit erlebter Geschichte unterfüttert und erhält so eine ganz neue Dimension. 

Meinung

Mich hat dieses Buch von der ersten Seite bis zur letzten gefesselt. Aber von vorn: Schon auf den ersten Blick handelt es sich um ein unglaublich schönes Buch. Ein Vorwort der Herausgeber bietet den perfekten Einstieg. Es folgen 19 Kapitel, jedes Kapitel bietet einem Zeitzeugen die Möglichkeit seine Geschichte zu erzählen. Zu Beginn des Kapitels befindet sich eine farbige Doppelseite mit Portrait des Erzählenden und einem knappen Einleitungstext, der meist mit einer Frage endet die dann im Folgenden in den Bericht überleitet. Die Berichte werden durch aktuelle Fotos der Befragten, sowie historische Aufnahmen unterfüttert. Sprachlich gibt es natürlich nicht viel zu sagen: die Berichte werden wortgetreu wiedergegeben. Es scheint, als spräche der Zeitzeuge persönlich mit dem Leser was natürlich umso eindrucksvoller erscheint. Den Schluss des Buches bilden die Kurzbiografien aller Befragten. Die Zeitzeugen wurden zudem sehr gut ausgewählt. Wir haben es nicht nur mit jüdischen Menschen zu tun, auch andere von der Verfolgung bedrohte Menschen kommen zu Wort. Die Geschichten könnten teilweise nicht unterschiedlicher sein und doch zeichnen sie alle ein Bild des gemeinsamen Schreckens.
Dem Spiegel gelingt mit diesem Sachbuch ein in meinen Augen herausragendes Werk, dass unbedingt gelesen werden sollte. Dank dem Engagement der Spiegel-Redakteure und der erzählbereiten Zeitzeugen ist es gelungen, authentische Berichte fest zu halten. Das ist umso notwendiger, da die Zeitzeugen immer seltener werden und wir nur noch auf das zurückgreifen können, was geschrieben steht. Dabei ist es - vor allem in Zeiten wie diesen - sehr wichtig, dass dieses Wissen und die Erfahrungen nicht verloren gehen, zugänglich bleiben. Dem Spiegel ist es hierbei gelungen, dies nicht nur sehr umfassend anzubieten, sondern auch in einer wirklich wunderschönen Gestaltung. Hut ab dem Layouter des Sachbuchs! Zudem handelt es sich um einen hochwertigen Druck. Dieses Buch ist also allein optisch und haptisch bereits herausragend.
Für mich ist dieses Buch bald noch mehr Sterne wert als ich in der Regel vergebe. So groß die darin erzählten Schrecken auch sind, dieses Buch ist eine Perle der historischen Bücher. Ich empfehle nicht nur den Interessierten, beherzt zuzugreifen. In diesem Buch steht geschrieben, was jeden angeht. Ein Mahnmal. 



20. Oktober 2015

Nina Bellem: Märchentod

Märchentod
von Nina Bellem

Egmont LYX, 2015
Digital Only
219 Seiten
4,99 €

Stichworte
Thriller, Berlin, Märchen, Serienkiller

Inhalt

Undine Meerbach ist freie Profilerin und wird in einem Mordfall der Kripo Berlin Marzahn hinzugezogen. Sie finden die Leiche einer Mutter; drapiert wie in einem Märchen und versehen mit einem Zettel mit der Aufschrift "Es war einmal..." Doch dies bleibt nicht der einzige Mord. Eine zerfetzte Frauenleiche im Wolfsgehege. Ein getötetes Zwillingspaar. Der bald schon als Märchenmörder bekannte Täter schlägt auf grausame Art und Weise zu und irgendwann geraten auch Undine, deren beste Freundin Rosa und ihr früherer bester Freund, nun Arbeitskollege Peter ins Visier. 

Meinung

Die Geschichte und die Mordfälle waren wirklich sehr, sehr spannend. Wir haben es mit einem Mörder zu tun, der seine Fälle wirklich bis ins kleinste Detail wie in einem Märchenbuch inszeniert und dabei wirklich raffiniert vorgeht. Die Entwicklung des Falles, sowie die spätere Auflösung sind sehr spannend und gut durchdacht. Der Täter kam mir zwar ab der Hälfte des Buches das erste Mal in den Sinn, aber bis zum Schluss schwankte ich immer wieder und es eröffneten sich doch wieder ganz neue Möglichkeiten.
Einen roten Faden behält der Roman dabei durchgehend und die innere Logik ist absolut gegeben. Hier und da hatte ich fast schon einen Kritikpunkt gefunden, der sich jedoch schnell wieder ins Nichts auflöste, da die Autorin ganz offensichtlich selbst schon daran gedacht hatte. 
Sprachlich gefällt mir der Roman sehr gut. Die Sprache ist absolut passend für einen Roman dieses Sujets und man kann wirklich nichts daran aussetzen. Hier und da fielen mir kleine Holprigkeiten auf, z.B. wenn es zu Wortwiederholungen kam. Aber Stellen wie diese waren so selten, dass sie kaum ins Gewicht fallen.
Allein die Personen möchte ich wirklich kritisieren. Protagonistin des Romans ist Undine Meerbach. Bis zum Schluss wirkt diese Person sehr unnahbar, unsympathisch und für den Leser kaum greifbar. Natürlich erklärt sich das mit Undines Charakter, der wahrscheinlich einfach so verschlossen ist. ABER es tut der Romanfigur nicht gut. Ich mochte sie bis zum Schluss nicht. Peter geht da schon eher. Er wirkt plastischer und freundlicher, auch wenn er ebenfalls Fehler und Ecken und Kanten hat, was ja auch sein soll. Ich mag auch die Entwicklung seiner Person sehr gern und die "Auflösung" am Ende, auch wenn mir das ganze doch ein bisschen schleierhaft bleibt. Und dann bleibt da noch Rosa, die beste Freundin Undines. Na die erst :D Angeblich ist sie die beste Freundin Undines, aber irgendwie... wissen dann die beiden Damen wahrscheinlich nicht, was Freundschaft bedeutet. Als es zu einem Missverständnis kommt dreht Rosa gleich komplett durch und möchte nicht einmal mit Undine reden. Das fand ich einfach etwas zu überspitzt und macht mir die Person der Rosa absolut unsympathisch.

Fazit

Märchentod ist ein sehr spannender Thriller, der bis zu den letzten Seiten auch spannend bleibt und zum Mitfiebern einlädt. Leider sind die Protagonisten nicht  so gut gelungen, was den restlichen sehr lesenswerten Roman ein bisschen herunterzieht. Daher nur vier Punkte.


13. Oktober 2015

Wien I & Gemeinsam lesen

Heute gibt es von mir einen gemischten Post, um keine zwei separaten Beiträge erstellen zu müssen.  Und zwar soll es ein paar Impressionen meiner Wien-Reise geben :) Sobald ich die Zeit finde und/oder wieder daheim bin, gibt es einen ausführlichen Bericht.


Ankunft am Bahnhof Wien Meidling

Stephansdom

Und nun natürlich noch das gemeinsame Lesen :) 

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese momentan sehr, sehr viel parallel. Ich picke daher Ayla und der Clan des Bären von Jean M. Auel heraus. Ich bin auf S. 90.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Eine letzte Hoffnung blieb ihr. 

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Wirklich viel zum "Loswerden" gibt es da eigentlich nicht. Ich finde es sehr spannend, dass sich das Buch mit einer Geschichte befasst, die in historischen Romanen meist keinen Anklang findet: die Zeit vor der Antike, vor dem Mittelalter: Neandertaler, Urzeit, Steinzeit. Das ist sehr angenehm, auch wenn der Sprachstil manchmal etwas zu verschachtelt bzw. gestellt wirkt und somit schwer lesbar erscheint. Da muss man den Satz eben das ein oder andere Mal wiederholen. 

4. Die Buchmesse steht in den Startlöchern - morgen gehts los! kommt ihr auch nach Frankfurt? Wenn ja, was ist euer Highlight auf der Messe? Wenn nein, was würdet ihr gerne erleben, wenn ihr hinfahren würdet?
Nein, ich fahre nicht :) Auch wenn das schon einige Menschen arg verwundert hat. Ich fahre nicht, weil mir a) die Begleitung fehlt, ich b) in Wien bin und c) ist mir Frankfurt für nur  eine Büchermesse und dazu noch allein einfach zu weit. Wenn überhaupt fahre ich nächstes Jahr wieder auf die LBM. Allerdings ist das noch nicht so sicher, da ich nach der Trennung von meinem Ex-Freund keine Begleitung mehr habe und alleine in all die überfüllten Hallen? Ich weiß nicht :D Das muss für mich irgendwie nicht sein o.O Das einzige, was mich wirklich reizt und ziemlich ärgert ist, dass ich ein paar der (Indie-)Autoren hätte persönlich kennen lernen können. Der ein oder andere Autor hätte sich gern mit mir auf einen Kaffee und einen Plausch getroffen, das habe ich nur sehr sehr ungern abgesagt. 

12. Oktober 2015

Montagsfrage: Welche/s Reihe/Buch hast du zuletzt abbrechen müssen und warum?


Ich bin mir nicht sicher, ob dies heute die einfachste oder schwerste aller Montagsfragen ist :D Ich habe nämlich keine Antwort, weil ich tatsächlich noch nie eine Reihe oder ein Buch abgebrochen habe?! Ich kann so etwas nicht, irgendwie. Wobei sich das nicht nur auf Bücher bezieht; was ich anfange beende ich - auch wenn ich es nicht müsste oder nicht möchte. Vielleicht kennt ja der ein oder andere die Folge von The Big Bang Theory, wo Amy versucht Sheldon beizubringen, dass man nicht alles "zuende führen" muss. Ich fühle mich dann wie Sheldon. Unbeendete Sätzen, unbeendete Rituale, unbeendete Fernsehserien, unbeendete Bücher - das geht nicht. Deswegen wird sich bei Büchern selbst dann durchgezwungen, wenn ich sie nicht gut finde. Eine Reihe, wo ich wirklich schwer zu kämpfen hatte, war z.B. Tagebuch eines Vampirs.  Aber auch hier habe ich mich weiter und weiter durchgelesen und im Endeffekt wars eigentlich gar nicht so schlimm :D 

11. Oktober 2015

Christina Baker Kline: Der Zug der Waisen

Der Zug der Waisen
Christina Baker Kline

Goldmann Verlag
352 Seiten
Gegenwartsliteratur

Klappentext


New York, 1929: Mit neun Jahren verliert Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, bei einem Wohnungsbrand ihre gesamte Familie. Gemeinsam mit anderen Waisen wird sie kurzerhand in einen Zug verfrachtet und in den Mittleren Westen geschickt, wo die Kinder auf dem Land ein neues Zuhause finden sollen. Doch es ist eine Reise ins Ungewisse, denn nur die wenigsten von ihnen erwartet ein liebevolles Heim. Und auch Vivian stehen schwere Bewährungsproben bevor ... Erst viele Jahrzehnte später eröffnet sich für die inzwischen Einundneunzigjährige in der Begegnung mit der rebellischen Molly die Möglichkeit, das Schweigen über ihr Schicksal zu brechen.

Inhalt

Das siebzehnjährige Pflegekind Molly hat ordentlich Mist gebaut: sie hat in der örtlichen Bücherei ein altes Exemplar des Klassikers Jane Eyre gestohlen und soll nun ins Jugendgefängnis. Lediglich das Ableisten eines Sozialdiensts kann sie davor bewahren. Aber eine Stelle zu finden ist gar nicht so einfach. Mithilfe ihres Freundes und dessen Mutter darf sie jedoch der 91-jährigen Vivian  beim Entrümpeln des Dachbodens helfen und so ihre Stunden abarbeiten. Zwischen den beiden entsteht rasch eine Verbindung, sie sind sich ähnlicher als gedacht: beide Frauen sind Waisen; die eine Anfang des 19. Jahrhunderts und die andere Anfang des 20. Jahrhunderts. Vivian beginnt, Molly ihre Geschichte zu erzählen: Als Kind aus Irland in die Staaten gekommen, verliert sie bei einem verheerenden Brand ihre gesamte Familie. Als Waise wird sie von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht und erlebt Dinge, die kein Kind erleben sollte. Sie hat ihre Familie, ihre Kultur, ihre Identität verloren. Um dann am Ende doch wieder so etwas wie eine Heimat zu finden.

Meinung

[Sprachlich] Christina Baker Kline hat einen sehr angenehmen Sprachstil, der das Lesen des Buches zu einem Genuss macht. Sie bedient sich keiner zu umständlichen, blumigen Sprache. Dennoch wird ihr Geschick, mit Sprache umzugehen, deutlich. In "Der Zug der Waisen" gibt es zwei Perspektiven, bzw. Situationen. Kapitelweise abwechselnd  wird aus Vivians Vergangenheit und Mollys Gegenwart mit Vivian erzählt. Vivians Kapitel sind aus der Ich-Perspektive geschrieben, während Mollys Kapitel personal erzählt werden. Dieses Springen zwischen Zeiten und Perspektiven gelingt der Autorin vortrefflich. Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass etwas "nicht passt" oder die Story sich in irgendeiner Weise verhaspelt. 
[Inhaltlich] Inhaltlich fand ich das Buch sehr ansprechend. Von den Waisenzügen in Amerika hatte ich persönlich noch nichts gehört. Insgesamt transportiert dieses Buch sehr viel Wissen, da die Autorin wirklich sehr umfassend recherchiert hat. Am Ende des Romans bietet sich dem Leser zudem eine kleine "Materialsammlung", Archivfotos und Fakten zu den realen Waisenzügen. Das fand ich sehr spannend.
[Personen] Die beiden Hauptpersonen Molly und Vivian kommen sehr plastisch herüber. Gerade Vivian, da wir ihr in der Ich-Perspektive in die Vergangenheit folgen. Auch als alte Dame habe ich sie als Leser sehr gemocht. Ich habe an einigen Stellen definitiv Tränchen verdrückt, weil mir die Geschichte sehr zu Herzen ging. Auch Molly ist beachtenswert. Sie entwickelt sich zusehends, während sie mit Vivians Vergangenheit konfrontiert wird. Ihr Freund Jack, dessen Mutter Terry und die Pflegeeltern Ralph und Dina rücken natürlich eher in den Hintergrund, sind aber dennoch entsprechend ihrer Rolle beschrieben und dem Leser nahegebracht. 

 

Fazit

Das Buch Der Zug der Waisen ist definitiv sehr lesenswert und absolut zu empfehlen. Der Roman vermittelt Wissen über die amerikanische Geschichte und hat trotzdem alles, was ein guter Roman haben sollte: Dramatik, Herzschmerz, herzerwärmende Momente, Spannung, Mitfiebern. Ich vergebe diesem Buch daher die volle Punktzahl.


7. Oktober 2015

Naomi Novik: Drachenwacht


Heute gibt es die Rezension zu einem Buch, das  ich schon lange lesen wollte aber leider hat es sich aufgrund meiner Bachelorarbeit und des privaten Stresses noch nicht ergeben. Nun ist es aber soweit, dass ich endlich den fünften Band meiner geliebten Buchserie "Die Feuerreiter seiner Majestät" lesen konnte.

Drachenwacht
Die Feuerreiter seiner Majestät, Bd. 5
Naomi Novik

Blanvalet Taschenbuch Verlag
2011
416 Seiten

# Fantasy - Drachen

Die Helden Temeraire und Laurence haben die französischen Drachen vor der Seuche gerettet. Klingt ja eigentlich ganz gut und helfenhaft, Will Laurence wird jedoch des Hochverrats angeklangt. Und wir wissen ja alle, welche Strafe darauf steht. Temeraire springt für seinen Menschen jedoch in die Breche und rettet Will das Leben, indem er sich selbst dazu verpflichtet, in einer Drachenzuchtanlage zu leben. Bricht er aus, bedeutet dies für Will die Todesstrafe. 
Als Napoleon jedoch in England einfällt, werden alle Kräfte der Armee benötigt. Will Laurence erhält den Befehl, zu kämpfen - mit Temeraire an seiner Seite. Er macht sich sofort auf den Weg zum Zuchtgehege, Temeraire ist jedoch bereits fort. Ihn ereilte die schreckliche Nachricht, Will sei bereits Tod. Er überredet die anderen Drachen, auf eigene Faust in den Krieg zu ziehen und das Geschehen in die eigene Hand, pardon Klaue zu nehmen. 

Mit Drachenwacht wendet sich Naomi Novik erstmals komplett von der realen Historie ab. Und sie bringt eine weitere Neuerung: Temeraire und Will werden voneinander getrennt und handeln nun zumindest einen Teil der Geschichte auf eigene Faust, was es erlaubt, dass Novik detaillierter auf die beiden als Individuen und nicht als Team, wie sonst, eingeht. Und Temeraire tut diese Trennung wirklich gut. Erstmals wird er nicht von den Moralvorstellungen seines "Feuerreiters" im Zaum gehalten. Nun, da er auf eigene Faust handelt und zudem vom Verlust Will's tief getroffen ist, gewinnt sein Drachennaturell die Oberhand. Drachenwacht ist sprachlich ebenso spannend und flüssig geschrieben wie die Vorgänger. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, als ich es einmal begonnen hatte. Man wird sofort in das Geschehen hineingezogen, es treten keinerlei langatmige Stellen auf. Es zieht sich nirgends. Die Handlung finde ich hervorragend, gerade weil sie den Einsatz der verschiedenen Perspektiven erlaubt. Natürlich birgt diese "Dualität" immer auch Gefahren, hier jedoch unterstützt dieser Perspektivenwechsel zwischen Temeraire und Will das Leseerlebnis und die beiden Handlungsstränge, die dann zueinander finden, ergänzen sich super. Die Personen erhalten so eine ganz neue Dimension und der Leser kann sich noch einmal intensiv mit beiden Protagonisten auseinander setzen, ohne den Einfluss des jeweils anderen. Man lernt daher vor allem Temeraire noch einmal ganz neu kennen, und das nach bereits vier Bänden, die man gemeinsam mit den beiden Helden verbringt.  Auch die Integration der realen historischen Begebenheiten (auch wenn diesmal deutlich weniger als bei vorherigen Bänden) ist Novik wieder sehr gut gelungen. Ein Verweben der historischen Realität mit Fantasy kann ja wirklich daneben gehen. Frau Novik hingegen meistert das wie immer mit Bravour. Die beiden "Ideen" sind perfekt miteinander verwoben, die Geschichte wirkt authentisch und keineswegs überzogen. Ingesamt ist dieser Band daher absolut überzeugend und mein persönlicher Favorit der Reihe.