31. März 2015

[Rezension] Aller Liebe Anfang

am Dienstag, März 31, 2015




Im Germanistikstudium begegnet einem so mancher Literaturtipp, einer davon: Judith Hermann.  Das vom Dozenten empfohlene Buch "Sommerhaus, später" war in der Bibliothek vergriffen, also landete ich bei folgendem Buch:


Aller Liebe Anfang
Judith Hermann

S. Fischer Verlag 2014
224 Seiten

Inhalt

Judith Hermanns Roman "Aller Liebe Anfang" handelt von der Schutzlosigkeit in der Liebe und im Leben. Davon, dass manchmal ein einziger Augenblick genügt, um das bisherige Dasein aus allen Fugen zu reißen. Stella und Jason lernen einander im Flugzeug kennen, die junge Frau wird zu Beginn aus Angst die Hand des Fremden in die Hand nehmen und sie auch nach dem Flug nicht mehr loslassen. Jason und Stella verlieben sich ineinander, kaufen ein Haus, bekommen ein Kind: Ava. In einer kleinen Siedlung lebt die junge Frau, arbeitet die junge Frau als Krankenpflegerin. Ihr Ehemann meist der Arbeit wegen unterwegs. Eigentlich ein erfülltes, wenn auch manchmal sehnsüchtiges Leben. Doch eines Tages klingelt es an ihrer Haustür, ein fremder Mann steht davor und bittet sie um ein Gespräch. Doch Stella möchte nicht reden. Fürs erste geht der Fremde, der sich als Mister Pfister vorstellt. Doch er wird jeden verdammten Tag wiederkehren, klingeln und Botschaften in den Briefkasten werfen. Stella gerät immer mehr in Panik: was, wenn er einfach ins Haus einbricht? was, wenn er sich Ava nähert? was, wenn er sich Stella nähert? In ihrer Angst wendet sie sich an die Menschen, die sie liebt: Jason und ihre beste Freundin Clara, mit der sie jahrelang zusammen lebte. Dabei wirft Stella, die nun über ihr Leben nachzudenken beginnt, ganz existentielle Fragen auf. Lange Zeit ignoriert Stella Mister Pfisters Versuche, in ihr Leben einzudringen. Doch als die junge Mutter das Gespräch sucht, eskaliert die Situation. 

Meinung

Judith Hermann bedient sich einer sehr knappen, fast schon farblosen Sprache. Die Sätze wirken teilweise wie Regieanweisungen in einem Drama: 
"Das ist das Haus an einem Tag im Frühjahr. Es ist niemand da. Stella ist weg, sie arbeitet als Krankenpflegerin, ihre Patienten leben in den Häusern in der neuen Siedlung auf der anderen Seite der großen Straße."

 Der Text entwickelt durch dieses stakkato-ähnliche Aufeinanderfolgen eine ganz eigene Dynamik, die den Inhalt des Textes unterstreicht: rasch aufeinander folgende Tage, die einander ähneln und hektisch wirken. Oftmals spielt Hermann mit Wiederholungen und der leichten Variation ihrer Sätze, was die Aufmerksamkeit des Lesers schärft und in gewisser Weise eine besondere Rhythmik in den Text schleust. 

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Es ließ sich sehr angenehm und flüssig lesen, das Thema Stalking wird auf den Punkt gebracht und anschaulich, zudem sehr realistisch dargestellt. Judith Hermann leistet daher in meinen Augen eine sehr wichtige (Aufklärungs-)Arbeit in diesem Bereich, weshalb ich dem Punkt fünf Punkte gebe.


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