18. Juni 2015

[Kurzrezension] Belina: Liebe auf den zweiten Brief

Belina: Liebe auf den zweiten Brief
Marie-Christin Rapp

Selfpublisher
85 Seiten
2,99 €

Inhalt

Melina staunt nicht schlecht, als sie von der Uni kommt und der Brief eines Unbekannten in ihrem Briefkasten liegt. Ein Versehen? Keineswegs. Der Medizinstudent Ben nimmt an einem Experiment teil und schreibt einer Wildfremden einen Brief. Seine Wahl traf dabei auf Melina, die jedoch keineswegs begeistert reagiert. Sie wirft ihm in ihrer direkten Art so manches an den Kopf. Letztlich gibt sie ihm jedoch eine Chance und die beiden lernen sich schreibend näher kennen. 

Meinung

Ich finde Marie-Christin Rapps Schreibstil sehr angenehm zu lesen. Das Buch besteht komplett aus Briefen. Jegliche Handlung, die außerhalb der Briefe geschieht, wird ausgelassen. Das finde ich wunderbar. Das lässt dem Leser genug Spielraum für die eigene Fantasie. Dennoch nimmt Rapp den Leser an die Hand, denn die Briefe bieten doch den ein oder anderen Anhaltspunkt. Die Personen im Briefroman wirkten sehr lebendig auf mich. Es gelingt der jungen Autorin, ihre Figuren Ben und Melina allein durch die eingestreuten Randbemerkungen genau zu charakterisieren und zu beschreiben. Das finde ich vor allem für eine so junge Autorin sehr bemerkenswert. 
Die Liebe der beiden entwickelt sich ganz zögerlich und über diverse Umwege. Liebe auf den zweiten Brief, eben. Dass nicht sofort dieses "Heile-Welt-Wir-Lieben-Uns"-Feeling aufkommt, die Protagonisten eher zynisch-bissige Kommentare austauschen, finde ich sehr gut. Das wirkt deutlich realistischer.
Allgemein finde ich die Idee, einen Briefroman zu schreiben, herrlich erfrischend und vor allem erinnert es daran, dass es eben auch anders geht. Dass man auch mal ein paar Tage warten kann und vielleicht auch muss, um wirklich miteinander in Kontakt treten zu können. Um auch darüber nachzudenken. Dinge sacken zu lassen. Gut Ding will Weile haben. Das haben wir gelernt. Und auch bei "Belina" ist das so. 

Ein wirklich gelungenes Debüt. Natürlich sind hier und da kleinere, ausbaufähige Stellen. Der Spannungsbogen ist zwar vorhanden, aber noch nicht zu 100% ausgebaut. Manchmal wirken die Sätze etwas zu gestellt, was für einen Briefroman vielleicht aber gar nicht so hinderlich ist. Mit diesen kleinen Kritikpunkten vergebe ich vier von fünf Sternen!


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