15. Juni 2015

Montagsfrage: Sind deine Erfahrungen mit Indie-Autoren/Selfpublishern eher positiv oder eher negativ?


Sind deine Erfahrungen mit Indie-Autoren/Selfpublishern eher positiv oder eher negativ?

Die Frage finde ich heute wirklich, wirklich klasse. Ich wollte schon lange einmal meinen Senf zum Thema geben. Mich beschäftigt die ganze "Indie"-Sache nämlich schon sehr, seit ich rezensiere und dementsprechend viele Rezensionsexemplare gerade von Indies und Selfpublishern bekomme.

Ich glaube ich könnte bei keiner Thematik so gespalten sein wie bei dieser.  Ich habe nun nämlich bereits beide Extreme kennen gelernt: 
Der Indie-Autor, bei dem kein Komma seinen Platz findet. Wo Rechtschreib-, Grammatik- und Logikfehler der übelsten Sorte drin sind. Wo umgangssprachlich geschrieben wird, das sich die Balken biegen.
Der Indie-Autor,  der unglaubliches Talent aufweist. Der Bücher schreibt, die schöner sind als so manches etabliertes Werk. Bücher, die rühren und die in sich stimmig sind. Sprachvirtuosen. Wortkünstler. Unentdeckte Juwelen. 

Die Nähe zum Autor ist noch so ein Ding. Es gibt die, denen man konstruktive Kritik antragen kann und die mit dieser dann auch umgehen können, daraus Schlüsse ziehen und entsprechend an sich und ihrem Buch arbeiten. Es gibt auch die, denen man einfach ein dickes, fettes Dankeschön schreibt. Und dann gibt es aber leider auch die, die sich richtig auf den Schlips getreten fühlen wenn man ihnen eine ehrliche Meinung bietet. 

Die Sache mit den Indie-Autoren ist für mich ein bisschen wie ein Glücksspiel. Mal hat man ne Niete, mal 'ne Kleinigkeit, mal 'nen fetten Gewinn. Nach so manchem Indie-Autor habe ich wirklich schon daran gedacht, nie wieder Indie zu lesen. So blöd das klingt. Indie bedeutet nun einmal, dass jeder "Depp" schreiben kann was er will  und manchmal leiden die Leute wirklich an Selbstüberschätzung, wenn sie denken sie können schreiben. Damit versauen sie das Ansehen der wirklich tollen Indie-Autoren , denen man daraufhin keine Chancen mehr bietet. 

Ich gehe mittlerweile definitiv kritischer heran, ehe ich einem Indie-Autoren das Rezensieren zusage bzw. mir ein Werk eines Indie-Autoren kaufe. Ich lese deutlich häufiger Kundenmeinungen und Leseproben. Wenn da schon grobe Patzer drin sind, leg ichs gleich wieder weg. Aber in den letzten Monaten habe ich auch so viele wundervolle Menschen kennen gelernt, die nie wieder aufhören sollten zu schreiben und bei denen es mir weh tut, dass sie "nur" Indie-Autoren sind. Denen ich den ganz großen Erfolg, sofern sie den überhaupt möchten, von ganzem Herzen gönne. Und die mir dann zudem noch ein Lächeln auf die Lippen zaubern, wenn sie sich diebisch über ein Lob freuen. 

Ich habe es mir deswegen sogar ein bisschen auf meine Fahne geschrieben, dass ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten möchte, unbekannten aber begnadeten Autoren zu etwas mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Ich weiß, dass mein kleiner Blog und meine Internetpräsenz auf anderen Plattformen dazu eher wenig beitragen kann. Aber der gute Wille zählt schließlich :) 

So. Jetzt hattet ihr echt ein bisschen zu lesen. Wie gesagt, mich beschäftigt dieses Thema wirklich sehr. Ich bin immer wieder hin und her gerissen und freue mich doch immer so, wenn ich einen neuen Rohdiamanten finde. 

Kommentare:

  1. Huhu :)
    Schön geschriebenes Plädoyer. :) Ich mag deine Einstellung zu diesem Thema und kann mich ihr nur anschließen.

    Liebe Grüße
    Miriam

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön, dass es mir nicht allein so geht :)

      Löschen
  2. Ja, der Begriff Glücksspiel trifft die Sache sehr gut. Es täte mir auch Leid, wegen der vielen literarischen Frösche, die man küssen muss, den einen oder anderen Prinzen zu übersehen. Ich mache es wie Du, ich schaue ganz genau hin bei Lesermeinungen und Leseproben und traue mich dann ab und zu doch.
    LG Gabi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das ist es eben. Es gibt wirklich unglaublich tolle Indies. Die gehen allerdings in der Masse unter, weil halt jeder Hinz und Kunz veröffentlichen kann =/

      Löschen
  3. Hallo :)
    Ein sehr schöner Text, dem ich nur zustimmen kann! Leider hatte ich bei diesem Glücksspiel bisher eher Pech. :D
    Kannst du denn gute Indie-Bücher empfehlen? Du scheinst von ein paar ja richtig begeistert zu sein.

    Liebe Grüße
    Anabelle

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ohja, das kann ich definitiv. Ich werde dazu in den kommenden Tagen einen eigenen kleinen Beitrag verfassen :) Mit einer kurzen Übersicht und jeweiliger Inhaltsangabe.

      Löschen
    2. Super, danke. Ich bin gespannt. :)

      Löschen
  4. Hallöchen

    mein erstes Mal bei der Montagsfrage :D yeahhhh
    Ich kann mich deiner Meinung voll anschließen, dass es ein Glückspiel ist.
    Bisher habe ich noch nicht so viele Indie-Autoren gelesen, auch weil ich die „Vor-Aussortierung“ des Verlags von Rechtschreibrabauken und Grammatikverweigeren schätze ;)
    Lasse dir gaaaanz liebe Grüße da.

    Deine neue Leserin,
    Nadine ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt auf jeden Fall. Ich bin dann auch meist dankbar, wenn Lektorat und Korrektorat mit von der Partie sind. Durch "rezi-suche" werde ich halt oft von IndieAutoren angeschrieben, die mich dann bitten, dass ich ihre Bücher rezensiere. Ich glaube ohne diese Website hätte ich mich auch nie an die Autoren herangetraut. Dabei ist das aber teilweise unbegründet. Problematisch ist einfach,dass auf einen super talentierten Nachwuchsschriftsteller so viele schwarze Schafe kommen :(

      Liebe Grüße,
      Lisa

      Löschen
  5. Huhu!

    Ich appelliere immer an die Leser, doch auch mal einem "Selfie" eine Chance zu geben - allerdings sollte man erstmal in die Leseprobe reinlesen, denn da merkt man meistens schon, mit was für einer Art Indie-Autor man es zu tun hat.

    In meinen Augen gibt es da die, die ihre Geschichten mit Herzblut erzählen und ihr Bestes tun, um sie für die Leser zu einem schönen Leseerlebnis zu machen. Und wenn das heißt, dass sie das Buch zwei Jahre lang ein dutzend Mal überarbeiten, dann ist das eben so. Oft bezahlen sie aus eigener Tasche ein Lektorat, oder sie sind Teil einer Community, in der Autoren sich gegenseitig lektorieren.

    Dann gibt es die Indie-Autoren, die sofort und auf der Stelle dafür Bestätigung bekommen wollen, dass sie ein Buch geschrieben haben. Da habe ich oft das Gefühl, dass sie glauben, ihnen stehen Liebe und Bewunderung zu, nur weil sie überhaupt ein Manuskript beendet haben, und dass jede Kritik am Buch Kritik an ihnen als Person ist.

    LG,
    Mikka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kann mich dir nur zu 100% anschließen. Ich finde es unglaublich schade, wenn Indies keine Chance gegeben wird. Ich habe nun schon zu viele, wunderschöne Indies gelesen. Es wäre schade, wenn die in der Versenkung verschwinden, weil ihnen das Prädikat "Indie" auf die Stirn gestempelt wird. Problematisch ist einfach vor allem, dass zweiterer Typ Indie-Autor überhand nimmt und so das Ansehen ersterer unglaublich schmälert. Wenn ich eines gelernt habe, dann das Indie nicht gleich Indie ist. Wie du schon sagst, manche finanzieren dann selbst Lektorat und Korrektorat, oder besorgen anderweitig eine Korrektur bzw. eine fachliche Zweit-, Dritt- oder Viertmeinung. Aber das sind nun einmal leider nicht alle.

      Ich wundere mich auch jedes Mal, wie so mancher Indie-Autor es schafft, pro Monat ein Buch vorzulegen. :O Diese Fließbandproduktion, hauptsache ich veröffentliche etwas, geht mir auch ziemlich auf den Senkel.

      Liebe Grüße,
      Lisa

      Löschen
  6. Hallo Lisa,
    du sprichst mir aus der Seele. Ich bin inzwischen auch vorsichtig geworden bei der Auswahl der Indie-Exemplare. Und ich war auch schon ein paar Mal drauf und dran, die Indies aus lauter frust zu ignorieren. Es ist wirklich nicht leicht die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber gerade die Perlen, die sich in dem Haufen verstecken, sind es Wert Indies weiter zu unterstützen. Sie haben es wirklich nicht leicht.
    Es gibt ja einige Anläufe von Indies, etwas Qualität in ihre Sparte zu bringen. Dazu gehören Quindie und Dyfaro. Und dann gibt es noch die Initiative Selfpublishing rocks!" Das ist eine freiwillige Selbstverpflichtung von Selfpublishern zur Qualität. Es lohnt sich, dort mal reinzuschauen.
    Lieben Gruß
    loralee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Quindie kannte ich schon :) Die anderen beiden sind mir neu! Aber im Moment beschäftige ich mich eh sehr intensiv damit, da ich eine kleine Beitragsreihe zum Thema plane - gemeinsam mit einigen Indieautoren <3 Da werde ich gleich auch mal bei der von dir genannten Initiative reinschnuppern. Danke für den Link!

      Löschen
    2. Oh, ich werde auf jeden Fall nach deiner Reihe ausschau halten!. :-) Mich interessiert das Thema sehr.

      Löschen
  7. Hallo Lisa ♥
    Durch die Aktion "Gemeinsam lesen" bin ich auf deinem Blog gelandet und habe mich ein wenig umgesehen. Schön hast du es hier.

    Zu deinem obigen Beitrag kann ich nur sagen: Gut gesprochen! :)
    Ich muss zugeben, dass ich bei Indie-Autoren/Selfpublishern immer etwas skeptisch bin. Ja, es gibt sie die Perlen unter ihnen. Aber leider gibt es auch ganz viele Beispiele, wo ich mich oft frage: "Warum glaubt jeder Zweite schreiben zu können?"
    Allerdings möchte ich auch nicht alles ablehnen und gebe den Menschen gern eine Chance. Aber viele können dann leider auch nicht mit Kritik umgehen. Da hat man selbst dann auch immer weniger Lust auf eine Anfrage zu reagieren...

    Aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben und jedem zumindest die Chance geben sich vorzustellen. :)

    Sehr schöner Beitrag! ♥
    Liebe Grüße, Jacky ♥

    AntwortenLöschen
  8. Mehr muss man dazu nich sagen - gut auf den Punkt gebracht!

    AntwortenLöschen