13. Januar 2016

Tag Drei: Der kann ja bloß nicht gut genug schreiben... (2)


#4 Indies waren für den Verlag nicht gut genug


Wenn man bedenkt, dass selbst Joanne K. Rowling von mehreren Verlagen abgelehnt wurde...! (Marlies Lüer)

Wahrscheinlich ist dies das Vorurteil schlechthin, wenn es um Indie-Autoren geht. "Du hast halt keinen Verlag gefunden. Du warst eben nicht gut genug für ein Verlagsbuch. Du bist zu untalentiert für einen Verlag." Das ist allerdings nicht einmal die halbe Wahrheit.  Verlage sind wirtschaftlich handelnde Unternehmen, die Analysen und Pläne aufstellen und mindestens schwarze, nein eigentlich grüne Zahlen schreiben müssen. Die Frage "Was können wir gewinnbringend verkaufen?" ist immer - IMMER - der ausschlaggebende Punkt. Was aber, wenn ein Autor einen qualitativ hochwertigen Roman verfasst, der nicht das breite Publikum anspricht?! Genau. Ein Verlag wird ihn nicht nehmen.  Mona Silver schreibt ganz treffend:


Und dadurch hat man dann eine Zeitlang nur noch SoG-artige Bücher oder lauter Vampire oder wie auch immer der Hype gerade heißt. Dadurch haben aber diejenigen, die mal was ganz anderes schreiben, oft gar keine Möglichkeit, einen Verlag zu finden, weil es angeblich nicht gekauft wird.

Zudem gibt es durchaus Indies, die sich bewusst gegen einen Verlag entscheiden. Fakt ist nämlich, dass die Gewinnspanne eines erfolgreichen Indie-Romans durchaus größer sein kann, als die eines Verlagsbuches. Die Gewinnbeteiligung des Autors beim Verkauf der Bücher ist bei Indie-Romanen um einiges höher.  Zudem sind sich einige Autoren durchaus bewusst, dass ihr Roman nicht die breite Masse des Publikums, sondern Liebhaber anspricht.  Der Gang zum Verlag ist in diesem Falle eher stressig und überflüssig.

#5 Selfpublishing? Das macht doch jetzt jeder Dödel!

Klara Bellis hat hierzu wunderschön formuliert:

Das frage ich mich manchmal auch. Obwohl ich ja selbst auch nur ein Dödel bin. Einer, der Spaß am Schreiben hat, denn den Ausbildungsberuf „Schriftsteller“ gibt es in dem Sinne ja gar nicht. Jeder kann schreiben, der sich dazu berufen fühlt. Ob er es denn auch kann, im Sinne von „Können“, steht auf einem anderen Blatt. Außerdem sind die Geschmäcker verschieden.

 Es gibt schon immer viele Menschen, die aus reiner Freude daran schreiben. Doch erst das Internet und Selfpublishing ermöglichten, dass auch Newcomer, Hobbyschriftsteller und andere ein Publikum erreichen konnten. Natürlich lädt dies auch jene dazu ein, ihre Bücher zu veröffentlichen, die vielleicht nicht ganz so von der Muse geküsst wurden. Diese Tatsache ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Dennoch sollte man diese Möglichkeiten positiv bewerten. Zuvor konnte der Leser allein auf die von den Verlagen selektierten Veröffentlichungen zurückgreifen. Das Selfpublishing erweitert das Spektrum der Bücher  schlichtweg enorm.  Das ist nicht schlecht, das ist vielmehr eine Chance!

#6 Indies haben kein Korrektorat/Lektorat

Hier schreie ich ein entschiedenes "Nein" in den Raum. Denn seit meinem Abschluss als Germanistin kommen sehr, sehr viele Indies auf mich zu und bitten um Korrektorat und Lektorat. Natürlich gibt es Indie-Autoren, die ihre Bücher ohne ausreichendes Korrekturlesen veröffentlichen. Ich selbst habe dies schon erlebt. Andrea Schneeberger sagt jedoch ganz treffend:

Wie überall: Es gibt solche und solche. Ich selbst habe eine Lektorin, zwei Korrektorinnen und zwei Kolleginnen die am Schluss noch Kontroll-Lesen. Alleine ist es schwierig alles perfekt oder nahe daran hinzukriegen. Irgendwann sieht man einfach den Wald voller Bäume nicht mehr.

Qualitativ gute Indies , die mit Herzblut bei der Sache sind, setzen teilweise Gott und die Welt in Bewegung, um einen fehlerfreien und gut lektorierten Text zu veröffentlichen. Ob nun professionelles Lektorat, Korrekturlesen durch Leser- und Fangemeinde oder Hilfe von befreundeten Autoren - die meisten Indies kümmern sich rührend darum, dass sie ihren Lesern einen tollen Text präsentieren können.  

#7 Indies klatschen einfach alles aufs Papier, was ihnen einfällt

Natürlich bringen Indies aufs Papier, was ihnen einfällt. Das ist ihr Job als Autor. Dennoch darf man nicht glauben, dass jeder Indie am Fließband schreibt. (Ja, auch solche gibt es leider!) Viele Indies recherchieren und erarbeiten ihren Roman und ihre Ideen über Jahre hinweg. 


Hm. Tut das nicht jeder Autor? Also vielleicht nicht "aufs Papier klatschen", aber natürlich schreibe ich, was mir einfällt und versuche es zu verkaufen.

Wenn es bedeuten soll, dass man auch unausgereifte Ideen aufs Papier klatscht, nur um sie loszuwerden: Ja, auch das kenne ich. Aber hier gilt wieder: Den Indie-Autor ein bisschen recherchieren, mal antesten und dann eine Meinung bilden. (Mona Silver)

#8 Das Buch gibt es ja nicht einmal als Print!

Printbücher sind schön und für viele Liebhaber das Nonplusultra der Buchkunst. Es stecken jedoch auch verdammt viel Arbeit und  Kosten hinter der Veröffentlichung eines Printbuchs. Häufig verkaufen sich eBooks schlichtweg besser. Viele Leser sind auf digitale Formate umgestiegen und die Nachfrage nach Print Exemplaren sinkt. Gerade Indie-Autoren, bei denen ein Print Exemplar mit so viel Aufwand verbunden ist, haben es schwer, die Prints an den Mann zu bringen ohne auf den Exemplaren sitzen zu bleiben. Und seien wir mal ehrlich: Wenn wir als Leser einen neuen, uns unbekannten Autoren entdecken, sind wir doch meist vorsichtig und kaufen das kostengünstigere eBook. Die Indies produzieren also nicht etwa aus Faulheit keine Print Exemplare, sie reagieren mit der rein digitalen Veröffentlichung meist lediglich auf die Nachfrage der Leser. Besteht Interesse an dem Buch, werden ohnehin häufig auch Prints nachproduziert. 

Kommentare:

  1. Ich gebe zu, dass ich vor einigen Jahren genauso gedacht habe. Allerdings kannte ich auch wirklich nur grauenhafte selbtpublizierte Bücher von arroganten Möchtegernautoren mit einem unglaublichen Sendungsbewusstsein. Daher habe ich erstmal klassisch über einen Verlag publiziert.
    Mittlerweile habe ich ein völlig anderes Bild gewonnen und mein letztes Buch "Verblüht" nun FREIWILLIG und bewusst selbst herausgegeben. Ich bin damit völlig zufrieden, werde aber dennoch das nächste wieder bei einem Verlag herausgeben, weil mir die Arbeit sonst über den Kopf wächst. Ich habe jedenfalls viele tolle Indie-Autoren kennengelernt.

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  2. Meine Beobachtung: Gerade im belletristischen Bereich wird das eBook stärker, was ich nicht schlimm finde. Es geht in der Hauptsache um gute Unterhaltung, meiner Ansicht nach wie bei Filmen auch. Und man muss ja nicht zwingend jeden ins Regal stellen wollen, den man gesehen hat. Ich habe schon einige Indie-eBooks entdeckt, die mich sehr gut unterhalten haben, und die von der Qualität her mühelos mit einem Verlagsprodukt mithalten können. ... Außerdem ist es sicher kein Geheimnis mehr, dass auch bei Verlagen nicht immer die talentiertesten Autoren eine Chance bekommen, sondern meistens zuerst die, die am besten vernetzt sind und/oder die besten Kontakte zum Vertrieb ihrer Bücher mitbringen ;-)

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  3. Vorurteile sind in allen Lebensbereichen falsch, man muss sich immer und überall ein eigenes fundiertes Urteil bilden. Pauschalisierungen beinhalten immer, dass jemand zu Unrecht getroffen wird. Ich lese, was mich anspricht, egal ob Indie- oder Verlagsbuch. Ich habe auch schon etwas ganz Grausiges selbstverlegtes gelesen, das war aber kostenlos über eine Bücherplattform und ist unter Erfahrung abgebucht. Ich habe auch schon etliche Verlagsbücher gekauft, die mir nicht gefallen haben. Nicht jedes verlegte Buch ist auch gleich ein Bestseller oder Aspirant für den Nobelpreis (sollen sie auch gar nicht, ich möchte unterhalten werden).

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