27. Februar 2016

Jennifer Niven: All die verdammt perfekten Tage

am Samstag, Februar 27, 2016
Jennifer Niven
All die verdammt perfekten Tage

Limes Verlag 2015
400 Seiten

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…


Violets Leben ist nicht mehr das, was es einmal war. Die einstige Cheerleaderin, Sonnenschein, beliebte Schülerin wird zu einem nachdenklichen Menschen, der sich in seinem Schneckenhaus verkriecht. Nach dem Tod ihrer Schwester bei einem Autounfall, den Violet als Beifahrerin überlebt, muss sich das Mädchen in ihrem neuen Leben zurecht finden und gelangt dabei auf Abwege, die sie eines Tages auf den Glockenturm der Schule führen. Dort begegnet sie Finch, der gerade wieder einmal über die Endlichkeit seiner eigenen Existenz sinniert. Er kann die vor Angst erstarrte Violet beruhigen und sie vom Turm lotsen. Kurze Zeit später beginnen sie auf Finch's Initiative hin ein Schulprojekt, gemeinsam erwandern sie Indiana. Und aus dem Schulprojekt wird schon bald eine ernst zu nehmende Liebe zwischen Theodore Finch, dem Freak, und Violet Markey, dem bezaubernden, aber zerbrochenen Mädchen. Doch Finch hat mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen. Wird Violet ihn davor retten können?

Der von Jennifer Niven verfasste Roman All die verdammt perfekten Tage hinterlässt mich mit vielen, vielen Tränen und einem gebrochenen Herzen. Dieses Buch hat so zirka alle Emotionen aus mir heraus gekitzelt, die man sich vorstellen kann: ich habe herzhaft gelacht, verliebt gekichert, gestaunt und von ganzem Herzen geweint. Finch und Violet sind mustergültige Protagonisten, vielschichtig, tiefgründig und absolut liebenswert. Schon nach wenigen Seiten habe ich mir gewünscht, dass Finch doch bitte sofort an meiner Haustür klingeln soll, weil ich ihn kennen lernen möchte. Jennifer Niven hat einen wunderschönen, lockeren aber auch poetischen Erzählstil, der die Geschichte aus zwei Perspektiven berichtet: aus Violets Sicht und aus Finchs. So erhält der Leser eine sehr differenzierte Sicht auf die Beziehung. Die Sicht eines Jungen, der sich nach dem Tod sehnt. Und die Sicht eines Mädchens, dass wieder zurück ins Leben finden muss, nachdem sie dem Tod ins Gesicht geblickt hat. Immer wieder streut die Autorin klug gewählte Zitate in den Text.  

Man kann sehr viel lernen, von diesem Theodore Freak. Man lernt, richtig zu leben. Zu genießen. Das Schöne in den kleinen Dingen des Lebens zu sehen. Und man lernt auch viel vom ultravioletten Licht. In die Welt zu gehen, statt sich im Schneckenhaus zu verkriechen. Zu lieben, obwohl man unsicher ist. Sich auf etwas einlassen, auch wenn man es sich selbst nicht zutraut. All die verdammt perfekten Tage behandelt ein ungemein wichtiges, leider viel zu oft tabuisiertes Thema und gehört bereits jetzt zu meinen Jahreshighlights. Ich habe selten ein so wunderschönes und berührendes Buch gelesen. 

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