7. Februar 2013

Rezension: Indigo - Clemens J. Setz

Allgemein

Im Norden der Steiermark liegt die Helianau, eine Internatsschule für Kinder, die an einer rätselhaften Störung leiden, dem Indigo-Syndrom. Jeden, der ihnen zu nahe kommt, befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Der junge Mathematiklehrer Clemens Setz unterrichtet an dieser Schule und wird auf seltsame Vorgänge aufmerksam: Immer wieder werden Kinder in eigenartigen Maskierungen in einem Auto mit unbekanntem Ziel davongefahren. Setz beginnt, Nachforschungen anzustellen, doch er kommt nicht weit; er wird aus dem Schuldienst entlassen. Fünfzehn Jahre später berichten die Zeitungen von einem aufsehenerregenden Strafprozess: Ein ehemaliger Mathematiklehrer wird vom Vorwurf freigesprochen, einen Tierquäler brutal ermordet zu haben.

Si könnte die Zusammenfassung einer Handlung lauten, die sich jeder Zusammenfassung entzieht. Am besten, Sie blättern gleich um und lesen das Buch. Sie werden feststellen: Auch im neuen Roman von Clemens J Setz geht das radikale Gegenprogramm zur hübsch verkasteten Literaturwerkstättenliteratur weiter. Rasend spannend und so erholsam wie eine gute Massage. Hinterher spüre sie jeden Muskel.

Clemens J Setz wurde 1982 in Graz geboren. Nach dem Studium der Mathematik und Germanistik in Graz arbeitete er als Mathematik-Tztor, u.a. im Proximity Awareness & Learning Center Helianau und als Journalist. Seit 2008 treten bei ihm die Spätfolgen der Indigo-Belastung auf. Heute lebt er als freier Schriftsteller zurückgezogen mit seiner Frau in der Nähe von Graz.

Das ist es, was auf der Umschlagseite von "Indigo" geschrieben steht. Man bekommt einen ersten Eindruck vom Buch und ist doch eigentlich nicht auf das vorbereitet, was wirklich kommen wird.

Zusammenfassung

Clemens Setz soll im Rahmen seines Lehrer-Studiums einen Praktikumsplatz finden und einige Wochen, Monate in der Praxis beweisen, dass er das Zeug zum Lehrer hat. Sein Dozent empfiehlt ihm eine Stelle am Helianau Institut, einer Schule für Kinder mit sogenanntem Indigo-Syndrom.  Dahinter verbirgt sich eine Störung, die zur Folge hat, dass Menschen in der Nähe dieser Kinder unter verschiedenen Symptomen leiden. Sie müssen sich übergeben, werden von Kopfschmerz und Schwindel geplagt. Mehrfach wird im Buch erwähnt, dass junge Mütter sich über den Kinderwagen beugen und ihren Babys direkt ins Gesicht kotzen. Keine schöne Vorstellung.
Clemens Setz nimmt die Stelle am Institut an, kommt jedoch nicht auf die volle Praktikumszeit. Denn bereits während seiner Tätigkeit beobachtet er seltsame Vorgänge. Kinder werden mit Masken und Verkleidungen geschmückt in Autos verfrachtet und fort geschafft; sogenannte Relokationen. Der junge und engagierte Lehrer beginnt, Nachforschungen an zu stellen. Wird allerdings vom Direkt höchst persönlich rausgeschmissen, was nicht zuletzt in einem handfesten Gemenge endet.
Doch Setz gibt nicht auf. Er besucht verschiedene betroffene Familien, unter anderem die Familie Robert Tätzsels, und stellt weitere Forschungen an; darauf basierend verfasst er verschiedene Artikel die in berühmten Zeitschriften abgedruckt werden. 

Parallel erzählt Setz, der Autor - nicht die Figur, die Geschichte Robert Tätzels, Jahre später. Er war Schüler Clemens Setz' und  ist ein sogenannter ausgebrannter Dingo. Ein Indigo-Kind, dessen Wirkung sich verflüchtigt hat. Er versucht ein normales Leben als Künstler zu führen, gemeinsam mit seiner Freundin Cordula. Doch das gelingt ihm kaum. Als er eines Abends ein gemütliches Beisammensein mit Freunden zu genießen versucht, nässt er sich ein. Wütend, beschämt flüchtet er ins Schlafzimmer, wo Cordula ihn wieder aufzubauen versucht. Dabei gerät ihm ein Artikel in die Hände, in dem beschrieben wird, dass sein ehemaliger Mathematiktutor des Verdachts freigesprochen wurde, einen Tierquäler brutal ermordet zu haben. (Er habe dem besagten die Haut vom Leib gezogen...) Und da beginnt sich der Kreis zu schließen. Robert lässt das Geschehen nicht mehr los und er sucht den freigekommenen Lehrer auf, um mit ihm zu reden. Von ihm erhält Robert eine Mappe all des Forschungsmaterials, das Setz über die Jahre gesammelt hat. Der Lehrer selbst ist nur noch ein Schatten, wirkt wahnsinnig. 

Das Buch endet mit einigen Schlussgedanken Roberts, die irgendwie über die bedrückende Atmosphäre des Buches nicht hinweg trösten können.

Meinung

Als ich durch die örtliche Bücherei stöberte, stieß ich auf ein Regal im Treppenhaus: Buchpreis 2012. Dort stand dieses Buch. Im interessanten Cover mit dem Aufdruck: Shortlist Buchpreis 2012. Kann ja dann nicht schlecht sein, oder? Wenn's sogar auf die Shortlist kommt? Hab ich es also mitgenommen. Und nicht wirklich bereut, auch wenn sich dieses Buch meinen bisherigen Erfahrungen ganz und gar entzieht. 

An sich gibt es zu Beginn zwei Handlungsstränge, die gegen Ende zueinander finden und sich verbinden. Immer wieder wird von Setz' Tätigkeit am Institut erzählt und von seinen Nachforschungen. Der andere Handlungsstrang begleitet den ehemaligen Indigo Robert Tätzel, der als ausgebrannter Dingo versucht, sich in dieser Welt zurecht zu finden. 

Das Buch war meiner Meinung nach teilweise verwirrend und auch wenn am Ende viele der Fragen beantwortet wurden, so hinterlässt es doch Fragezeichen. Eine Verwirrung. Und eine Betroffenheit. Aber ich glaube, dass genau das die Intention des Schriftstellers war, wer weiß. Wahrscheinlich bin ich auch einfach zu blöd gewesen, alles zu verstehen ;D 

Fakt ist, dass es manchmal sehr verwirrend war, weil der Autor der handelnden Person seinen Namen gegeben hat. Immer wieder hat man sich eher gefühlt, als lese man eine Reportage, weil ja doch so nah an der Wahrheit dran war. Und es doch nicht ist. Das kann wirklich sehr krass auf den Leser wirken, wie ich finde. Das tolle an dem Buch ist jedoch, dass es zum Denken anregt und irgendwie Betroffenheit hervorruft. Die meisten Bücher von heute sind so 0-8-15, dass man sich darüber hinaus nicht weiter mit der Thematik beschäftigt. Setz hingegen hat mich dazu angeregt, im Internet nach Indigo Kindern zu forschen. Denn ein winziger Funken Wahrheit steckt schon dahinter: In der Esoterik glaubt man, dass einige Menschen/Kinder eine indigoblaue Aura haben.


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