18. Februar 2015

[Gehört] Tschick v. W. Herrndorf

Als Kind hörte ich sehr gern Hörbücher, jedoch habe ich diese irgendwann doch ganz vergessen. Aber nun kam irgendwie alles zusammen, sodass ich mich an mein erstes Hörbuch seid Jahren wagte. Neben der stupiden "Klickarbeit" am PC, bei der kein Gedanke vor Ort sein muss, habe ich also auf Spotify das Hörbuch Tschick  von Wolfgang Herrndorf, gelesen von Hanno Koffler  gehört.

Tschick. Das ist eigentlich Andrej Tschichatschow und er ist der Neue in der Klasse. Es fällt ihm schwer, Fuß zu fassen. Aber das scheint ihm auch gar nicht wichtig zu sein. Mit anteilnahmsloser Miene nimmt er alles hin. Zu Beginn der Sommerferien treffen jedoch Tschick und der stille, zurückhaltende Maik aufeinander. Sie beide wurden nicht zur Geburtstagsfeier der Klassenschönheit eingeladen. Maik ist darüber besonders deprimiert. Er hat sich verliebt, sich die Mühe mit einem besonderen Geburtstagsgeschenk gemacht (eine gezeichnete Beyoncé) und nun? Nicht eingeladen. Der Langweiler wurde nicht eingeladen. Und so beschließen die beiden Jungen mit einem, geklauten Lada in die Mandschurei zu fahren. Und auf ihrem Weg begegnen sie vielen außergewöhnlichen und eigentlich sehr liebenswürdigen Menschen. Eine enge Freundschaft entsteht und so wird dies der Sommer ihres Lebens. 

Tschick und Maik kommen aus sehr unterschiedlichen, jedoch jeweils komplizierten Verhältnissen. Tschick ist ein armer Einwanderer, der mit seinem Bruder krumme Dinger dreht. Maik ist Kind reicher Eltern, die Mutter jedoch Alkoholikerin und der Vater untreu. Die beiden Jungen scheinen zu Beginn kein bisschen zueinander zu passen, aber irgendwie verschwinden die Unterschiede Kilometer um Kilometer. Tschick  ist ein Buch über Freundschaft und darüber, dass man seines Glückes Schmied ist. Es braucht nicht die großen Dinge (Maik hat ja schließlich Geld, einen Pool, usw) um wirklich zufrieden sein. Es braucht eigentlich nur einen Freund, einen schönen Sommertag, Freiheit.

Der Roman ist wirklich berührend und schön. Die Umsetzung als Hörbuch hat mir sehr gut gefallen. Hanno Kofflers Stimme ist sehr angenehm und auch die leichte Akzentuierung des "Russen" gelingt ihm sehr gut. Ein bisschen langatmig ist es vielleicht teilweise schon, Spannung gibt es nicht wirklich oder kam zumindest bei mir nicht rüber. Der Hörer/Leser weiß von Anfang an, dass die Autofahrt mit Wunden im Polizeirevier enden wird. In diesem Roman gilt wirklich eher: der Weg ist das Ziel.


Tschick. Wolfgang Herrndorf. Gekürzte Fassung. Argon Sauerländer Audio. 4 Stunden 56 Minuten. 6,99 €

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