31. Oktober 2015

Julie Kagawa: Talon - Drachenzeit

am Samstag, Oktober 31, 2015 2 Kommentare
Talon: Drachenzeit
Band 1
von Julie Kagawa
Heyne Verlag
5. Oktober 2015
560 Seiten

Gebundene Ausgabe: 16,99 €
eBook: 13,99 €

Klappentext

Strand, Meer, Partys – einen herrlichen Sommer lang darf Ember Hill das Leben eines ganz gewöhnlichen kalifornischen Mädchens leben! Danach muss sie in die strenge Welt des Talon-Ordens zurückkehren – und kämpfen. Denn Ember verbirgt ein unglaubliches Geheimnis: Sie ist ein Drache in Menschengestalt, auserwählt, um gegen die Todfeinde der Drachen, die Krieger des Geheimordens St. Georg, zu kämpfen. 

Garret ist einer jener Krieger, und er hat Ember sofort als Gefahr erkannt. Doch je näher er ihr kommt, umso mehr entflammt er für das ebenso schöne wie mutige Mädchen. Und plötzlich stellt er alles, was er je über Drachen gelernt hat, infrage …

Inhalt in eigenen Worten

Ember und Dante Hill sind etwas Besonderes in der Drachenwelt: sie sind Zwillinge. Gemeinsam werden sie wohlbehütet in Talon aufgezogen und sollen nun, mittlerweile Teenager, in die menschliche Gesellschaft eingeschleust werden. Als hübsche rothaarige und  grünäugige Teenager finden Dante und Ember schnell Anschluss. Und besonders Ember genießt die Vorzüge des "Beachgirl"-Daseins. Sie surft, verbringt die Tage mit Freundinnen und schlürft einen Smoothie nach dem anderen. Doch dann tritt Garret in ihr Leben und die sehr menschlichen Gefühle des Drachenmädchens werden beinahe überstrapaziert. Schlimm nur: Garret gehört zu dem Orden des Heiligen Georg und ist somit eigentlich ihr Todfeind. Hinzu kommt die heimlich verlaufende, alle Kräfte zehrende Ausbildung Talons.  Es ist daher kein Zufall, dass ihr in dieser wunderschönen Kulisse plötzlich ein wahnsinnig wilder Biker über den Weg läuft, ein Abtrünniger Talons. Und nun steht die junge, ungestüme Ember vor der Entscheidung: Talon oder die Freiheit. Und was ist mit ihren Gefühlen für Garret? Und was mit ihrem Bruder? 

Meinung

Sprachlich gibt es an diesem Roman nichts zu meckern. Die Sprache ist bildhaft und spannend, die Handlung geht rasant und packend voran und wird durch die häufigen Perspektivwechsel unterstützt. Kapitelweise erfahren wir die Handlung aus Sicht Embers, Garrets und später auch aus Sicht Rileys. Das macht es am Anfang zwar etwas schwierig, weil man andauernd umswitchen muss, aber im Endeffekt macht genau dieser Wechsel einen Großteil des Charmes und der Spannung aus. Die Handlung wird immer wieder aus anderen Winkeln beleuchtet und verdichtet sich so zu einem großen Ganzen.
Die Handlung baut auf dem klassischen Romeo-und-Julia-Schema auf. Zwei Liebende, die sich eigentlich nicht lieben dürfen. Wobei in diesem Falle Garret sehr wohl die Gefahren kennt, da Ember seine Zielperson ist. Das Mädchen hingegen weiß von ihrem Glück natürlich noch nichts und sieht in dem Elitesoldaten einen gewöhnlichen Jungen. Insgesamt hat mir die Handlung sehr gut gefallen, da sich mit Talon ein neuer, spannender und schöner Drachen-Mythos entspinnt. Der Handlungsaufbau und das Setting sind sehr komplex. Das Reich Talon wird sehr plastisch dargestellt und die Hinundhergerissenheit Embers ist absolut nachvollziehbar, womit wir bei den Personen wären. Diese fand ich durchweg absolut gelungen. Jede Figur hatte etwas absolut Eigenes an sich, war plastisch herausgearbeitet, greifbar und je nachdem sympathisch oder - aber zum Glück nur wenn gewollt - absolut unsympathisch. Ember, als der wilde und ungestüme Wildfang mit Drang nach Freiheit, gerät in den Strudel nur all zu menschlicher Emotionen und spürt so den Drachen mit dem Menschen in sich kämpfen. Garret hat es mir persönlich ohnehin angetan. Er, der Liebe gar nicht kennt, verstrickt sich immer weiter in seinen Gefühlen zu Ember und gerät so in den Konflikt zwischen Liebe und Loyalität zu seinem Orden.  Der Autorin gelingt die Darstellung dieses inneren Zwiespaltes glänzend! Dante, der Bruder Embers, macht auch eine sehr interessante Wandlung durch: vom großen Bruder zum Verräter. Das hat mir auch sehr gut gefallen. Auch die anderen Charaktere sind wundervoll beschrieben und erdacht. Der Cliffhanger ist natürlich ein wenig fies, jetzt muss ich doch tatsächlich ein paar Monate warten :D Aber selbst der ist herrlich. Nicht so niederschmetternd wie bei manch anderen Serien. Vielmehr sehr hoffnungsvoll und erfüllt genau seinen Zweck: ich werde nun hibbelig warten. 
Insgesamt bin ich positiv von diesem Drachenroman überrascht und kann es kaum erwarten, bis der zweite Band im Januar veröffentlicht wird. Talon hat, wie ich finde, alle Punkte verdient. In meinen Augen handelt es sich um eine geniale neue Drachen-Serie.  




27. Oktober 2015

Wolfgang Herrndorf: Sand

am Dienstag, Oktober 27, 2015 0 Kommentare
Sand
Wolfgang Herrndorf
Rowohlt Verlag, 2011
480 Seiten

Klappentext

«Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und über­prüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trink­wasser, goss den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sand­farbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsun­kundige Frau in einem Auto hier­herzubestellen.» Während in München Palästinenser des «Schwarzen September» das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis – Nordafrika 1972.

Inhalt

Carl - so wird er kurzerhand genannt - kann sich an nichts erinnern. Als er in einer Scheune erwacht, ist er sich seines eigenen Namens nicht mehr bewusst. Eines jedoch ist klar: man ist hinter ihm her. Natürlich tritt der attraktive Araber die Flucht durch die Wüste an und trifft dabei auf die hübsche, jedoch unterkühlte Amerikanerin Helen. Gemeinsam versuchen sie, das Rätsel seiner Existenz zu lösen. Dabei verirren sie sich immer wieder in Verstrickungen, die auf eine vermeintliche kriminelle Vita Carls hindeuten. Und am Ende kommt doch alles anders als erwartet und der Roman endet mit dem berühmten Paukenschlag.

Meinung

Ich habe lange überlegt, wieviele Sterne ich dem Roman gebe. Bis etwa zur Hälfte des Buches tendierte ich zur vier, da ich es schwierig fand in den Roman hinein zu finden. Aber dann wurde mir Kapitel um Kapitel bewusst, dass es Herrndorf auch genau darauf auslegte!  Immer wieder knüpft und spinnt der Autor neue Handlungsfäden, lässt sie im Sand verlaufen. Realität, Traum, Schatten- und Scheinwelt verwischen. Der Leser wird ebenso wie de Protagonist Carl an der Nase herum geführt und begibt sich in das schier unbegreifliche Geflecht einer vergessenen Biografie. Und ganz nebenbei wird in einem Kriminalfall ermittelt, was dem Roman neben der sprachlichen Gewalt die nötige Brise Thrill verleiht. 
Sprachlich wie gesagt fulminant, wie man es von dem leider verstorbenen Autor aus Werken wie Tschick gewohnt ist. Besonders ansprechend empfand ich auch die den Kapiteln zur Seite gestellten Zitate, die wie ein "Motto" über dem Geschriebenen thronten und alles in ein weiteres Licht zu werfen vermochten. 
Mich wundert nicht, dass dieser Roman es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises im Jahr 2012 schaffte. Sand ist ein atemberaubender Roman, den man definitiv nicht nur einmal lesen sollte und auch nicht nur einmal wird lesen wollen. Ich glaube es handelt sich hier um einen Roman, der beim wiederholten Lesen nicht langweilig wird und immer weitere Details offenbart, die einem am Anfang gar nicht so bewusst waren. 
Herrndorf hat sich mit diesem Roman wieder einmal als einer meiner Lieblingsautoren bestätigt. Wer kluge Literatur mit einigen kniffligen Gedankenkapriolen zu schätzen weiß, ist hier an genau der richtigen Adresse. 


Gemeinsam Lesen

am Dienstag, Oktober 27, 2015 7 Kommentare




1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese Sand von Wolfgang Herrndorf. Ich bin auf S. 336.



2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Spät in der Nacht kroch er zurück ins Bett.


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Am Anfang fand ich es ungemein schwierig in den Roman hinein zu finden. Es lief irgendwie alles drunter und drüber und kreuz und quer und so richtig habe ich die Handlung nicht fassen können. Als diese "Startschwierigkeiten" jedoch überwunden waren, entwickelte das Buch einen richtigen Sog, es wurde super spannend und nun kann man es kaum noch aus der Hand legen. Wenn man sich also "überwindet" über die ersten Seiten hinweg ein wenig planlos zu lesen (:D), entwickelt sich dieser Roman zu einem absolut grandiosen Thriller. Zudem muss man anmerken, dass Herrndorfs Sprache einfach wundervoll ist. Dieses Buch zu lesen lohnt sich allein wegen des Sprachgenies Wolfgang Herrndorf.



4. Hast du schon Weihnachts-Bücher in den Startlöchern stehen? :) Gibt es ein Lieblings-Buch was du jedes Jahr an Weihnachten nochmal liest?

Nein, Ich passe meine Lektüre nicht an saisonale (oder andere) Gegebenheiten an. Ich lese, was ich gerade so in die Finger kriege. Nichts anderes. Von daher bin ich da jetzt nicht so, dass ich ein "Weihnachtslieblingsbuch" habe, Ich krame aber immer wieder gern die alte Kinderbibel aus, die ich als kleines Kind von meiner Uroma zu Weihnachten geschenkt bekam.

26. Oktober 2015

Montagsfrage: Halloween naht, stimmt ihr euch mit passender Lektüre ein oder macht ihr euch nichts daraus?

am Montag, Oktober 26, 2015 6 Kommentare

Für gewöhnlich mache ich mir nichts aus Halloween. Ich ärgere mich bloß, weil die Dorfjugend (16+) teilweise mehrfach an der Tür steht und um Süßigkeiten bettelt :D  An sich beeinflussen Tage wie diese auch mein Leseverhalten nicht. Ich lese ohnehin was gerade da ist, was ich mir in der Bibliothek geholt habe und so weiter. Ich lese auch zu Weihnachten ein Buch, das im Sommer spielt und umgekehrt. Meine Lektüre wähle ich zu 99% nicht nach dem aktuellen "Leben" aus; kann man das so sagen?! :D Feiertage, Jahreszeiten & co spielen bei mir keine Rolle.

22. Oktober 2015

Mich hat Auschwitz nie verlassen

am Donnerstag, Oktober 22, 2015 2 Kommentare

"Mich hat Auschwitz nie verlassen"
Überlebende des Konzentrationslagers berichten

hrsg. von: Susanne Beyer, Martin Doerry

Deutsche Verlags-Anstalt 2015
288 Seiten
Gebundene Ausgabe: 29,99 €

Sachbuch; Deutsche Geschichte; Judenverfolgung; Holocaust

Klappentext

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen waren hier von den Nationalsozialisten ermordet worden; nur wenige Gefangene kamen mit dem Leben davon. Diejenigen, die die Lagerhaft überlebten, konnten oder wollten in den Jahren nach der Befreiung meist nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Sie fühlten sich außer Stande, über die Exzesse der Entwürdigung, die sie in Auschwitz erfahren mussten, zu reden, oder sie fanden für ihre Erinnerungen kein Gehör.

Weltweit haben SPIEGEL-Redakteure und -Mitarbeiter nun ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers besucht und befragt, Susanne Beyer und Martin Doerry haben diese Berichte in einem Buch zusammengestellt. Die beeindruckenden Schilderungen der letzten überlebenden Zeugen von Auschwitz werden reich bebildert mit Porträts, die die Fotografen Sara Lewkowicz und Dmitrij Leltschuk für diesen Band anfertigten.

Inhalt

Bei Mich hat Auschwitz nie verlassen handelt es sich um eine Sammlung von Augenzeugenberichten. Insgesamt 19 Personen sprechen von dem, was für uns unmöglich erscheint. Es gibt nur noch wenige, die von  den schrecklichen Verbrechen berichten können. Im vorliegenden Sachbuch geben die 19 Befragten ihre Geschichte wider, beschreiben den Alltag im Lager und lassen so den Leser an ihrer ganz persönlichen Leidensgeschichte teilhaben. Es ist unmöglich dieses Buch ohne einen Kloß im Hals zu lesen. Der Leser erfährt unter anderem, dass ein Baby von der eigenen Mutter erstickt wurde aus Furcht, des Geschrei könne die Gestapo anlocken. Ein junges Mädchen wird in einen Graben voller Exkremente geworfen. Was im Geschichtsunterricht teilweise trocken daher kommt, wird hier mit erlebter Geschichte unterfüttert und erhält so eine ganz neue Dimension. 

Meinung

Mich hat dieses Buch von der ersten Seite bis zur letzten gefesselt. Aber von vorn: Schon auf den ersten Blick handelt es sich um ein unglaublich schönes Buch. Ein Vorwort der Herausgeber bietet den perfekten Einstieg. Es folgen 19 Kapitel, jedes Kapitel bietet einem Zeitzeugen die Möglichkeit seine Geschichte zu erzählen. Zu Beginn des Kapitels befindet sich eine farbige Doppelseite mit Portrait des Erzählenden und einem knappen Einleitungstext, der meist mit einer Frage endet die dann im Folgenden in den Bericht überleitet. Die Berichte werden durch aktuelle Fotos der Befragten, sowie historische Aufnahmen unterfüttert. Sprachlich gibt es natürlich nicht viel zu sagen: die Berichte werden wortgetreu wiedergegeben. Es scheint, als spräche der Zeitzeuge persönlich mit dem Leser was natürlich umso eindrucksvoller erscheint. Den Schluss des Buches bilden die Kurzbiografien aller Befragten. Die Zeitzeugen wurden zudem sehr gut ausgewählt. Wir haben es nicht nur mit jüdischen Menschen zu tun, auch andere von der Verfolgung bedrohte Menschen kommen zu Wort. Die Geschichten könnten teilweise nicht unterschiedlicher sein und doch zeichnen sie alle ein Bild des gemeinsamen Schreckens.
Dem Spiegel gelingt mit diesem Sachbuch ein in meinen Augen herausragendes Werk, dass unbedingt gelesen werden sollte. Dank dem Engagement der Spiegel-Redakteure und der erzählbereiten Zeitzeugen ist es gelungen, authentische Berichte fest zu halten. Das ist umso notwendiger, da die Zeitzeugen immer seltener werden und wir nur noch auf das zurückgreifen können, was geschrieben steht. Dabei ist es - vor allem in Zeiten wie diesen - sehr wichtig, dass dieses Wissen und die Erfahrungen nicht verloren gehen, zugänglich bleiben. Dem Spiegel ist es hierbei gelungen, dies nicht nur sehr umfassend anzubieten, sondern auch in einer wirklich wunderschönen Gestaltung. Hut ab dem Layouter des Sachbuchs! Zudem handelt es sich um einen hochwertigen Druck. Dieses Buch ist also allein optisch und haptisch bereits herausragend.
Für mich ist dieses Buch bald noch mehr Sterne wert als ich in der Regel vergebe. So groß die darin erzählten Schrecken auch sind, dieses Buch ist eine Perle der historischen Bücher. Ich empfehle nicht nur den Interessierten, beherzt zuzugreifen. In diesem Buch steht geschrieben, was jeden angeht. Ein Mahnmal. 



20. Oktober 2015

Nina Bellem: Märchentod

am Dienstag, Oktober 20, 2015 0 Kommentare
Märchentod
von Nina Bellem

Egmont LYX, 2015
Digital Only
219 Seiten
4,99 €

Stichworte
Thriller, Berlin, Märchen, Serienkiller

Inhalt

Undine Meerbach ist freie Profilerin und wird in einem Mordfall der Kripo Berlin Marzahn hinzugezogen. Sie finden die Leiche einer Mutter; drapiert wie in einem Märchen und versehen mit einem Zettel mit der Aufschrift "Es war einmal..." Doch dies bleibt nicht der einzige Mord. Eine zerfetzte Frauenleiche im Wolfsgehege. Ein getötetes Zwillingspaar. Der bald schon als Märchenmörder bekannte Täter schlägt auf grausame Art und Weise zu und irgendwann geraten auch Undine, deren beste Freundin Rosa und ihr früherer bester Freund, nun Arbeitskollege Peter ins Visier. 

Meinung

Die Geschichte und die Mordfälle waren wirklich sehr, sehr spannend. Wir haben es mit einem Mörder zu tun, der seine Fälle wirklich bis ins kleinste Detail wie in einem Märchenbuch inszeniert und dabei wirklich raffiniert vorgeht. Die Entwicklung des Falles, sowie die spätere Auflösung sind sehr spannend und gut durchdacht. Der Täter kam mir zwar ab der Hälfte des Buches das erste Mal in den Sinn, aber bis zum Schluss schwankte ich immer wieder und es eröffneten sich doch wieder ganz neue Möglichkeiten.
Einen roten Faden behält der Roman dabei durchgehend und die innere Logik ist absolut gegeben. Hier und da hatte ich fast schon einen Kritikpunkt gefunden, der sich jedoch schnell wieder ins Nichts auflöste, da die Autorin ganz offensichtlich selbst schon daran gedacht hatte. 
Sprachlich gefällt mir der Roman sehr gut. Die Sprache ist absolut passend für einen Roman dieses Sujets und man kann wirklich nichts daran aussetzen. Hier und da fielen mir kleine Holprigkeiten auf, z.B. wenn es zu Wortwiederholungen kam. Aber Stellen wie diese waren so selten, dass sie kaum ins Gewicht fallen.
Allein die Personen möchte ich wirklich kritisieren. Protagonistin des Romans ist Undine Meerbach. Bis zum Schluss wirkt diese Person sehr unnahbar, unsympathisch und für den Leser kaum greifbar. Natürlich erklärt sich das mit Undines Charakter, der wahrscheinlich einfach so verschlossen ist. ABER es tut der Romanfigur nicht gut. Ich mochte sie bis zum Schluss nicht. Peter geht da schon eher. Er wirkt plastischer und freundlicher, auch wenn er ebenfalls Fehler und Ecken und Kanten hat, was ja auch sein soll. Ich mag auch die Entwicklung seiner Person sehr gern und die "Auflösung" am Ende, auch wenn mir das ganze doch ein bisschen schleierhaft bleibt. Und dann bleibt da noch Rosa, die beste Freundin Undines. Na die erst :D Angeblich ist sie die beste Freundin Undines, aber irgendwie... wissen dann die beiden Damen wahrscheinlich nicht, was Freundschaft bedeutet. Als es zu einem Missverständnis kommt dreht Rosa gleich komplett durch und möchte nicht einmal mit Undine reden. Das fand ich einfach etwas zu überspitzt und macht mir die Person der Rosa absolut unsympathisch.

Fazit

Märchentod ist ein sehr spannender Thriller, der bis zu den letzten Seiten auch spannend bleibt und zum Mitfiebern einlädt. Leider sind die Protagonisten nicht  so gut gelungen, was den restlichen sehr lesenswerten Roman ein bisschen herunterzieht. Daher nur vier Punkte.


13. Oktober 2015

Wien I & Gemeinsam lesen

am Dienstag, Oktober 13, 2015 2 Kommentare
Heute gibt es von mir einen gemischten Post, um keine zwei separaten Beiträge erstellen zu müssen.  Und zwar soll es ein paar Impressionen meiner Wien-Reise geben :) Sobald ich die Zeit finde und/oder wieder daheim bin, gibt es einen ausführlichen Bericht.


Ankunft am Bahnhof Wien Meidling

Stephansdom

Und nun natürlich noch das gemeinsame Lesen :) 

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese momentan sehr, sehr viel parallel. Ich picke daher Ayla und der Clan des Bären von Jean M. Auel heraus. Ich bin auf S. 90.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Eine letzte Hoffnung blieb ihr. 

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Wirklich viel zum "Loswerden" gibt es da eigentlich nicht. Ich finde es sehr spannend, dass sich das Buch mit einer Geschichte befasst, die in historischen Romanen meist keinen Anklang findet: die Zeit vor der Antike, vor dem Mittelalter: Neandertaler, Urzeit, Steinzeit. Das ist sehr angenehm, auch wenn der Sprachstil manchmal etwas zu verschachtelt bzw. gestellt wirkt und somit schwer lesbar erscheint. Da muss man den Satz eben das ein oder andere Mal wiederholen. 

4. Die Buchmesse steht in den Startlöchern - morgen gehts los! kommt ihr auch nach Frankfurt? Wenn ja, was ist euer Highlight auf der Messe? Wenn nein, was würdet ihr gerne erleben, wenn ihr hinfahren würdet?
Nein, ich fahre nicht :) Auch wenn das schon einige Menschen arg verwundert hat. Ich fahre nicht, weil mir a) die Begleitung fehlt, ich b) in Wien bin und c) ist mir Frankfurt für nur  eine Büchermesse und dazu noch allein einfach zu weit. Wenn überhaupt fahre ich nächstes Jahr wieder auf die LBM. Allerdings ist das noch nicht so sicher, da ich nach der Trennung von meinem Ex-Freund keine Begleitung mehr habe und alleine in all die überfüllten Hallen? Ich weiß nicht :D Das muss für mich irgendwie nicht sein o.O Das einzige, was mich wirklich reizt und ziemlich ärgert ist, dass ich ein paar der (Indie-)Autoren hätte persönlich kennen lernen können. Der ein oder andere Autor hätte sich gern mit mir auf einen Kaffee und einen Plausch getroffen, das habe ich nur sehr sehr ungern abgesagt. 

12. Oktober 2015

Montagsfrage: Welche/s Reihe/Buch hast du zuletzt abbrechen müssen und warum?

am Montag, Oktober 12, 2015 3 Kommentare

Ich bin mir nicht sicher, ob dies heute die einfachste oder schwerste aller Montagsfragen ist :D Ich habe nämlich keine Antwort, weil ich tatsächlich noch nie eine Reihe oder ein Buch abgebrochen habe?! Ich kann so etwas nicht, irgendwie. Wobei sich das nicht nur auf Bücher bezieht; was ich anfange beende ich - auch wenn ich es nicht müsste oder nicht möchte. Vielleicht kennt ja der ein oder andere die Folge von The Big Bang Theory, wo Amy versucht Sheldon beizubringen, dass man nicht alles "zuende führen" muss. Ich fühle mich dann wie Sheldon. Unbeendete Sätzen, unbeendete Rituale, unbeendete Fernsehserien, unbeendete Bücher - das geht nicht. Deswegen wird sich bei Büchern selbst dann durchgezwungen, wenn ich sie nicht gut finde. Eine Reihe, wo ich wirklich schwer zu kämpfen hatte, war z.B. Tagebuch eines Vampirs.  Aber auch hier habe ich mich weiter und weiter durchgelesen und im Endeffekt wars eigentlich gar nicht so schlimm :D 

11. Oktober 2015

Christina Baker Kline: Der Zug der Waisen

am Sonntag, Oktober 11, 2015 0 Kommentare
Der Zug der Waisen
Christina Baker Kline

Goldmann Verlag
352 Seiten
Gegenwartsliteratur

Klappentext


New York, 1929: Mit neun Jahren verliert Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, bei einem Wohnungsbrand ihre gesamte Familie. Gemeinsam mit anderen Waisen wird sie kurzerhand in einen Zug verfrachtet und in den Mittleren Westen geschickt, wo die Kinder auf dem Land ein neues Zuhause finden sollen. Doch es ist eine Reise ins Ungewisse, denn nur die wenigsten von ihnen erwartet ein liebevolles Heim. Und auch Vivian stehen schwere Bewährungsproben bevor ... Erst viele Jahrzehnte später eröffnet sich für die inzwischen Einundneunzigjährige in der Begegnung mit der rebellischen Molly die Möglichkeit, das Schweigen über ihr Schicksal zu brechen.

Inhalt

Das siebzehnjährige Pflegekind Molly hat ordentlich Mist gebaut: sie hat in der örtlichen Bücherei ein altes Exemplar des Klassikers Jane Eyre gestohlen und soll nun ins Jugendgefängnis. Lediglich das Ableisten eines Sozialdiensts kann sie davor bewahren. Aber eine Stelle zu finden ist gar nicht so einfach. Mithilfe ihres Freundes und dessen Mutter darf sie jedoch der 91-jährigen Vivian  beim Entrümpeln des Dachbodens helfen und so ihre Stunden abarbeiten. Zwischen den beiden entsteht rasch eine Verbindung, sie sind sich ähnlicher als gedacht: beide Frauen sind Waisen; die eine Anfang des 19. Jahrhunderts und die andere Anfang des 20. Jahrhunderts. Vivian beginnt, Molly ihre Geschichte zu erzählen: Als Kind aus Irland in die Staaten gekommen, verliert sie bei einem verheerenden Brand ihre gesamte Familie. Als Waise wird sie von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht und erlebt Dinge, die kein Kind erleben sollte. Sie hat ihre Familie, ihre Kultur, ihre Identität verloren. Um dann am Ende doch wieder so etwas wie eine Heimat zu finden.

Meinung

[Sprachlich] Christina Baker Kline hat einen sehr angenehmen Sprachstil, der das Lesen des Buches zu einem Genuss macht. Sie bedient sich keiner zu umständlichen, blumigen Sprache. Dennoch wird ihr Geschick, mit Sprache umzugehen, deutlich. In "Der Zug der Waisen" gibt es zwei Perspektiven, bzw. Situationen. Kapitelweise abwechselnd  wird aus Vivians Vergangenheit und Mollys Gegenwart mit Vivian erzählt. Vivians Kapitel sind aus der Ich-Perspektive geschrieben, während Mollys Kapitel personal erzählt werden. Dieses Springen zwischen Zeiten und Perspektiven gelingt der Autorin vortrefflich. Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass etwas "nicht passt" oder die Story sich in irgendeiner Weise verhaspelt. 
[Inhaltlich] Inhaltlich fand ich das Buch sehr ansprechend. Von den Waisenzügen in Amerika hatte ich persönlich noch nichts gehört. Insgesamt transportiert dieses Buch sehr viel Wissen, da die Autorin wirklich sehr umfassend recherchiert hat. Am Ende des Romans bietet sich dem Leser zudem eine kleine "Materialsammlung", Archivfotos und Fakten zu den realen Waisenzügen. Das fand ich sehr spannend.
[Personen] Die beiden Hauptpersonen Molly und Vivian kommen sehr plastisch herüber. Gerade Vivian, da wir ihr in der Ich-Perspektive in die Vergangenheit folgen. Auch als alte Dame habe ich sie als Leser sehr gemocht. Ich habe an einigen Stellen definitiv Tränchen verdrückt, weil mir die Geschichte sehr zu Herzen ging. Auch Molly ist beachtenswert. Sie entwickelt sich zusehends, während sie mit Vivians Vergangenheit konfrontiert wird. Ihr Freund Jack, dessen Mutter Terry und die Pflegeeltern Ralph und Dina rücken natürlich eher in den Hintergrund, sind aber dennoch entsprechend ihrer Rolle beschrieben und dem Leser nahegebracht. 

 

Fazit

Das Buch Der Zug der Waisen ist definitiv sehr lesenswert und absolut zu empfehlen. Der Roman vermittelt Wissen über die amerikanische Geschichte und hat trotzdem alles, was ein guter Roman haben sollte: Dramatik, Herzschmerz, herzerwärmende Momente, Spannung, Mitfiebern. Ich vergebe diesem Buch daher die volle Punktzahl.


7. Oktober 2015

Naomi Novik: Drachenwacht

am Mittwoch, Oktober 07, 2015 1 Kommentare

Heute gibt es die Rezension zu einem Buch, das  ich schon lange lesen wollte aber leider hat es sich aufgrund meiner Bachelorarbeit und des privaten Stresses noch nicht ergeben. Nun ist es aber soweit, dass ich endlich den fünften Band meiner geliebten Buchserie "Die Feuerreiter seiner Majestät" lesen konnte.

Drachenwacht
Die Feuerreiter seiner Majestät, Bd. 5
Naomi Novik

Blanvalet Taschenbuch Verlag
2011
416 Seiten

# Fantasy - Drachen

Die Helden Temeraire und Laurence haben die französischen Drachen vor der Seuche gerettet. Klingt ja eigentlich ganz gut und helfenhaft, Will Laurence wird jedoch des Hochverrats angeklangt. Und wir wissen ja alle, welche Strafe darauf steht. Temeraire springt für seinen Menschen jedoch in die Breche und rettet Will das Leben, indem er sich selbst dazu verpflichtet, in einer Drachenzuchtanlage zu leben. Bricht er aus, bedeutet dies für Will die Todesstrafe. 
Als Napoleon jedoch in England einfällt, werden alle Kräfte der Armee benötigt. Will Laurence erhält den Befehl, zu kämpfen - mit Temeraire an seiner Seite. Er macht sich sofort auf den Weg zum Zuchtgehege, Temeraire ist jedoch bereits fort. Ihn ereilte die schreckliche Nachricht, Will sei bereits Tod. Er überredet die anderen Drachen, auf eigene Faust in den Krieg zu ziehen und das Geschehen in die eigene Hand, pardon Klaue zu nehmen. 

Mit Drachenwacht wendet sich Naomi Novik erstmals komplett von der realen Historie ab. Und sie bringt eine weitere Neuerung: Temeraire und Will werden voneinander getrennt und handeln nun zumindest einen Teil der Geschichte auf eigene Faust, was es erlaubt, dass Novik detaillierter auf die beiden als Individuen und nicht als Team, wie sonst, eingeht. Und Temeraire tut diese Trennung wirklich gut. Erstmals wird er nicht von den Moralvorstellungen seines "Feuerreiters" im Zaum gehalten. Nun, da er auf eigene Faust handelt und zudem vom Verlust Will's tief getroffen ist, gewinnt sein Drachennaturell die Oberhand. Drachenwacht ist sprachlich ebenso spannend und flüssig geschrieben wie die Vorgänger. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, als ich es einmal begonnen hatte. Man wird sofort in das Geschehen hineingezogen, es treten keinerlei langatmige Stellen auf. Es zieht sich nirgends. Die Handlung finde ich hervorragend, gerade weil sie den Einsatz der verschiedenen Perspektiven erlaubt. Natürlich birgt diese "Dualität" immer auch Gefahren, hier jedoch unterstützt dieser Perspektivenwechsel zwischen Temeraire und Will das Leseerlebnis und die beiden Handlungsstränge, die dann zueinander finden, ergänzen sich super. Die Personen erhalten so eine ganz neue Dimension und der Leser kann sich noch einmal intensiv mit beiden Protagonisten auseinander setzen, ohne den Einfluss des jeweils anderen. Man lernt daher vor allem Temeraire noch einmal ganz neu kennen, und das nach bereits vier Bänden, die man gemeinsam mit den beiden Helden verbringt.  Auch die Integration der realen historischen Begebenheiten (auch wenn diesmal deutlich weniger als bei vorherigen Bänden) ist Novik wieder sehr gut gelungen. Ein Verweben der historischen Realität mit Fantasy kann ja wirklich daneben gehen. Frau Novik hingegen meistert das wie immer mit Bravour. Die beiden "Ideen" sind perfekt miteinander verwoben, die Geschichte wirkt authentisch und keineswegs überzogen. Ingesamt ist dieser Band daher absolut überzeugend und mein persönlicher Favorit der Reihe. 

  

6. Oktober 2015

Gemeinsam Lesen

am Dienstag, Oktober 06, 2015 8 Kommentare

Und wieder eine Woche vorbei. Und wieder wird es Zeit für's Gemeinsame Lesen :) 




1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese schon wieder so viel parallel :D Schlimm, oder? 

Christina Baker Kline: Der Zug der Waisen - S. 39/349
Jostein Gaarder: Sofies Welt - S. 224/622
Jane Austen: Emma - 66%

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Drei Tage nach dem Brand weckt mich mr. Schatzman, um mir zu sagen, dass er und Mrs. Schatzman die perfekte Lösung gefunden haben (ja, perfekt ist tatsächlich das Wort, das er benutzt, und ich bekomme in diesem Moment die grausame Macht von Übertreibungen zu spüren). (Der Zug der Waisen)

Jorunn stand vor dem gelben Haus, als Sofie gegen halb zwei atemlos am Gartentor ankam. (Sofies Welt)

Der Mai eignete sich für alles besser als der Februar.  (Emma)

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Mh... zu Zug der Waisen kann ich noch nicht viel sagen, das habe ich erst angefangen. Sofies Welt zieht sich ganz schön. Das liegt nicht etwa daran, dass es mir nicht gefällt o.ä. Dieses Buch ist fantastisch. Es handelt sich um eine amüsante Geschichte und einen sowohl für Kinder, als auch Erwachsene geeigneten Crashkurs in Philosophie. Aber gerade deshalb kann man nicht viel am Stück lesen. Sonst merkt man sich nix und das Gelesene muss man wirklich hier und da mal Überdenken. Daher genieße ich dieses Buch eher in kleinen Häppchen. Zu Emma wiederum gibt es nicht viel zu sagen. Typisch Jane Austen gefällt mir das Buch wahnsinnig gut. Ich "schleppe" es nur ein wenig vor mir her, da es mir gehört und ich den anderen zwei Büchern (Rezi-Ex und Büchereibuch) den Vortritt lasse. 


4. Gibt es einen Buchcharakter, der dir so auf die Nerven gegangen ist, dass du ihn am Liebsten aus dem Buch gezerrt hättest um ihm eine runter zu hauen? (Frage von Jana)
Auf jeden Fall gibt es solche Buchcharaktere, aber ich finde es schwer mich jetzt daran zu erinneren, so aus dem Stehgreif o.O Es gibt auch echt viele Charaktere mit denen ich jetzt nicht so warm werde, aber sie gehen mir jetzt nicht so sehr auf die Nerven, dass ich ihnen eine runter hauen will :D 

Ach jetzt fällt mir doch eine ein: Katniss Everdeen. Jawohl, mein Lieblingsromanheld :D Ich liebe Katniss. Aber wenn sie auch nur die leiseste Aufmunterung Richtung Gale schickt könnte ich.. na ihr wisst schon, Team Peeta und so. :D Zählt das dann eigentlich? Sie nervt mich ja nicht in dem Sinne. Mich nervt es nur, dass sie auch nur im Ansatz in Erwägung zieht, Gale zu wählen :D 

5. Oktober 2015

Montagsfrage: Welches Buch hast du zuletzt gekauft, weil du es unbedingt lesen wolltest und immer noch nicht gelesen?

am Montag, Oktober 05, 2015 0 Kommentare

Das zuletzt gekaufte und noch nicht gelesene ist rein theoretisch Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf. Da ich das Buch allerdings schon gelesen habe (hatte ein Bibliotheksexemplar) und mir mein Exemplar gekauft habe, weil ich es unbedingt nochmal und nochmal und nochmal lesen wollte... Mh. Zählt das dann? Wenn nicht Rainbowland von Johanna Wasser. Ich war bei den Beta-Lesern dabei, bis ich aus persönlichen Gründen kürzer treten musste. Nun habe ich mir das Buch natürlich sofort nach Veröffentlichung gekauft, bis jetzt allerdings einfach noch keine Zeit gefunden es zu lesen, da ich lieber erst die Rezi-Exemplare und die Leihbücher lesen möchte. 


3. Oktober 2015

Seitenbummler - Leseabend

am Samstag, Oktober 03, 2015 0 Kommentare

Ich bin heute beim Seitenbummler-Leseabend mit von der Partie und berichte euch hier ein bisschen und beantworte die Fragen! 

19.15: Der Leseabend beginnt. Mal schauen was er mir bringt und wie lange ich wirklich durchhalte. Dies ist glaube ich mein erster Leseabend, da ich bis jetzt nie Zeit hatte an so etwas teilzunehmen. Eigentlich sehr schade, da mir das Konzept sehr gut gefällt :)  Ich beginne meinen Leseabend  auf S.179. 

1. Wer liest was wo?
Ich lese Sofies Welt und zwar im gemütlichen Bett :) 

2. Überspringt ihr schonmal langweilige Passagen? 
Nein. Ich überspringe nichts und breche nichts ab. Das ist eine Eigenheit von mir. Irgendwie kann ich das nicht. Ich muss (auch bei anderen Dingen) immer alles schön der Reihe nach und vollständig machen. Ich quäle mich dann auch lieber durch, als dass ich etwas überspringe oder gar vorzeitig beende. Bemerke ich, dass mein Kopf aufgrund einer blöden Stelle doch abgeschalten hat, wiederhole ich sogar die Passage :D 

21:51 Eigentlich hätte schon längst ein Update von mir kommen müssen, nein eigentlich zwei. ABER wie es doch immer ist: es kam etwas dazwischen :D Meine Mutti lud mich zu einem wirklich spannenden TV-Abend ein. Auf ARTE lief zuerst eine GEO-Dokumentation über Peru, im Anschluss folgte eine Reportage über die Malerin Élisabeth Vigée-Lebrun. Ich werde nun aber natürlich nachträglich die Fragen beantworten :)

3. Würdest du lieber ein Buch mit Cliffhanger oder mit herzzereißendem Ende lesen?
Definitiv Cliffhanger. Ich komme mit schmerzenden Enden und traurigen Enden wirklich gar nicht klar :( Ich weiß nicht warum, aber das stehe ich meist nicht durch :D

4. Habt ihr einen Lieblingsautor? Kauft ihr von ihm/ihr einfach alle Bücher, weil sie gut sein müssen?
Es gibt definitiv Autoren, da greif ich einfach zu. Da steht ein Name drauf, also les ich es. Da gibt es mehrere Autoren, z.B. Jussi Adler Olsen, Salman Rushdie, Gabriel Garcia Marquez, Nalini Singh, Wolfgang Herrndorf, &&&

5. Wo befindet ihr euch in eurem Buch? 
Im wunderschönen Norwegen <3

22.04 Ich werde mich jetzt ausklinken, da ich einfach zu müde bin. Wie ich sehe ist der Leseabend mal wieder eher dem Familienabend zum Opfer gefallen. Darum trauere ich allerdings nicht, da ich diese Zeit mehr als gerne mit meinen Liebsten verbringe. :) Ich wünsche euch allen eine wunderschöne gute Nacht,

eure Bücherdiebin





2. Oktober 2015

Michael Schofield: Ich will doch bloß sterben, Papa

am Freitag, Oktober 02, 2015 0 Kommentare

Ich will doch bloß sterben, Papa
Leben mit einer schizophrenen Tochter
von Michael Schofield 

Kösel-Verlag, 2014
336 Seiten
Gebunden: 19,99 €
Taschenbuch: 9,99 €

# wahre Begebenheit, Schizophrenie

Michael und Susan Schofield besitzen ein Heim, einen Hund, sind frisch verheiratet und zu ihrem Glück fehlt ihnen eigentlich bloß noch der ersehnte Nachwuchs. Als die kleine January das Licht der Welt erblickt, wird jedoch rasch klar. hier stimmt etwas nicht. Das Mädchen ist seltsam hyperaktiv, sie schläft nur wenig und in kurzen Sequenzen. Susan und Michael müssen all ihre Kraft aufbieten, um sie auszupowern und so zum Schlafen zu bewegen. Doch das sind nur die "anfänglichen Schwierigkeiten". Janni entwickelt sich wahnsinnig schnell, sie kann bereits mit zwei Jahren lesen. Ihre Intelligenz ist überdurchschnittlich, sie gilt schnell als hochbegabt. Doch sie kann sich in diese Welt nicht einfügen. Immer wieder spielt sie mit Freunden, die ihrer Fantasie entspringen. Mit echten Mädchen oder Jungen kann Janni nichts anfangen. Michael und Susan hegen derweil den Wunsch, ihrem kleinen Mädchen die Welt zu erleichtern, indem sie ihm ein Geschwisterchen schenken. Und so kommt nach neun Monaten der Junge Bodhi zur Welt. Doch statt Jannis Leben zu erleichtern, eskaliert die Situation. Das Mädchen rastet regelrecht aus, stellt für das Neugeborene eine ernstzunehmende Gefahr dar. Janni schlägt auf ihre Familie ein, möchte auch dem Brüderchen Gewalt zufügen. Für die verzweifelten Eltern beginnt ein Spießrutenlauf von Arzt zu Arzt, von Klinik zu Klinik. Niemand kann sich das ungewöhnliche Verhalten des kleinen Mädchens, das nun zudem Selbstmordgedanken äußert, erklären. Ihre Fantasien werden immer realer, fassbarer. Janni driftet in eine Welt ab, die nur sie selbst wahrnimmt. Immer wieder fällt der Begriff: Schizophrenie. Doch die Ärzte glauben nicht daran, für Kinder in diesem Alter sei dies eine absolut untypische Erkrankung. Stattdessen werden die schlimmsten Vermutungen angestellt: Kindsmissbrauch, mangelnde Erziehung, &&& Für Susan und Michael ist jeder einzelne Tag ein erneuter Kampf gegen die eigene Tochter und selbst als die Diagnose (kindliche Schizophrenie) endlich feststeht, erleichtert dies das Leben nur bedingt. Die Familie muss lernen, damit umzugehen. 

Sprachlich ist dieses auf wahren Begebenheiten beruhende Buch umwerfend. Schofield zeigt sein Talent, zu schreiben. Es gelingt ihm, den Leser in die Welt seiner Familie hineinzuziehen. Schnell macht sich auch im Rezipienten eine beklemmende Stimmung breit. Die Gewalteskalationen Jannis wirken, als habe man sie selbst miterlebt. Hervorragend finde ich zudem, dass Schofield den Fokus nicht nur auf Janni legt, sondern auch die Veränderungen innerhalb der Familie aufzeichnet. Man beobachtet somit nicht nur die Entwicklung des Mädchens, sondern auch die der Eltern. Michael, wie er immer weiter abstumpft und verzweifelt versucht seiner Tochter zu helfen. Er steigt wie ein Gladiator in eine Arena voller Monster, die er nicht sieht. Und auch Susan, wie sie Bodhi beschützt, aber gleichzeitig niemals Janni aufgibt. Die Liebe einer Mutter. Angenehm überrascht war ich zudem, da Schofield auch die teilweise ihn selbst "belastenden" Passagen nicht weglässt. Er macht keinen Hehl aus den Fehlern, die er in seiner Verzweiflung begangen hat. 

Insgesamt finde ich, leistet dieses Buch einen gewaltigen Beitrag. Es klärt darüber auf, dass durchaus auch Kinder an der schlimmen Krankheit Schizophrenie erkranken können. Dieses Buch zeigt anderen Eltern: ihr seid nicht allein. Und den Nichtbetroffenen führt es ganz deutlich vor Augen, womit jene zu kämpfen haben, die darunter leiden. Sei es als direkt Erkrankte oder als Angehörige. Daher fünf Sternchen für dieses herausragende Buch. 




 

Die Bücherdiebin Template by Ipietoon Blogger Template | Gift Idea