9. Januar 2016

Tag Zwei: Der kann ja bloß nicht gut genug schreiben...

am Samstag, Januar 09, 2016

Selbstverlegern und Autoren in Klein- und Kleinstverlagen wird so manches an den Kopf geworfen. Gemeinsam mit den an der Aktion teilnehmenden Autoren, habe ich die gängigen Vorurteile auf Herz  und Nieren überprüft. Was ist also dran, am Rechtschreibfehler produzierenden, talentfreien Autor? 

#1 - Bücher von Indieautoren sind gespickt mit Rechtschreibfehlern

Kein Mensch ist perfekt und selbst den namhaftesten Autoren, Lektoraten und Korrektoraten unterlaufen Fehler. Durchaus gibt es Indie-Autoren und Autoren in Kleinverlagen, denen ein zusätzliches Korrektorat gut zu Gesicht stehen würde.  Nicht jeder Autor kann sich ein professionelles Lektorat/Korrektorat leisten. Die meisten Indies können von ihrem Schreiben allein nicht leben, für ein professionelles Lektorat muss man ziemlich tief in die Tasche greifen. Dennoch bemühen sich die meisten Indie-Autoren darum, ihre Texte so fehlerfrei wie möglich zu präsentieren. Häufig werden die Texte von Bekannten, Freunden und Lesern testgelesen, um dem Leser ein schönes Endprodukt präsentieren zu können. 

Ich denke, wenn man sich ein bisschen über den jeweiligen Autor kundig macht und sieht, wie er sich sonst so präsentiert, kann man da schon aussortieren als Leser. ( Mona Silver)

Die meisten Autoren bieten vorab Leseproben ihrer Romane. Auch der Internetauftritt eines Autoren erlaubt erste Einblicke in den Schreibstil. Es ist also gut möglich, sich einen ersten Überblick zu verschaffen um Bücher, die womöglich tatsächlich diesem Vorurteil entsprechen, gleich auszusortieren.  

#2 - Nur ein paar Cent für ein eBook?! Das kann doch nichts Gutes sein!

In Verlagen erschiene Bücher kosten gut und gerne je nach "Typ" zwischen 10 und 20 Euro. Wie kann es da also sein, dass Indie-Autoren ihre Bücher für wenige Euro, gar Cent "verkloppen"? Liebe Leser, hier geht es nicht darum, was die Indie-Autoren wollen, sondern müssen.  Für viele Autoren sind diese geringen Preise eine null-null-Rechnung, wenn nicht sogar ein Minusgeschäft. Bei der Kalkulation der Preise müssen jedoch viele verschiedene Komponenten mit betrachtet werden. Welche Preise veranschlagt die "Konkurrenz"? Ist mein eBook sichtbar? Wird es empfohlen oder muss ich mir meine Leserschaft erst einmal erobern? Wurde es professionell korrigiert und lektoriert? Und und und. Autorin Klara Bellis berichtet:

Mit Hilfe eines auf statistischen Auswertungen basierenden E-Book-Preis-Ausrechners habe ich ausgerechnet, dass ich für mein E-Book maximal 2,99 Euro nehmen kann, um es optimal verkaufen zu können. (500 Seiten, nicht professionell lektoriert und korrigiert, eventuell der erste Teil einer Serie).
Leider ist es auch schlichtweg nicht von der Hand zu weisen, dass einigen Lesern selbst dieser Preis bereits zu teuer ist für "nur einen Indie". Hier ist also auch ein Umdenken der Leser gefragt. Einen Roman zu schreiben kostet enorm viel Kraft, Zeit und auch Geld. Die Autoren verwenden ihre spärliche Freizeit, um für die Leser etwas Wundervolles zu erschaffen. Es liegt dann an den Lesern selbst, ob sie bereit sind mit einen entsprechenden Betrag diese Leistung wert zu schätzen. Ist dies nicht der Fall, sind die Autoren gezwungen, ihre Preise möglichst niedrig anzusetzen, um überhaupt das ein oder andere Exemplar an den Leser zu bringen. 

#3 - Bücher von Indies und Autoren in Kleinverlagen können mit richtigen Verlagsautoren nicht mithalten


Ich habe bei Verlagen schon sehr viel Furchtbares gelesen und bei Indies tolle Schätze entdeckt. Umgekehrt genauso. (Christiane Bößel)

Autor ist nicht gleich Autor. Indie nicht gleich Indie. Verlagsautor nicht gleich Verlagsautor. Es ist schlichtweg falsch, alle Autoren einer bestimmten Gruppe  über einen Kamm zu scheren.  Es kommt durchaus vor, dass ein im Selbstverlag produzierter Roman qualitativ ansprechender gestaltet ist als ein Verlagsroman, der mal so "nebenbei" auf den Markt geschmissen wird. Ich selbst habe als Leser bereits so manches in Händen halten dürfen. Verlagsromane, die unter aller Kanone waren. Indies, die wie wahre Perlen erscheinen. Wichtig ist auch hier, sich vorab zu informieren. Und das gilt nicht nur für die "Selfies".  Auch Rezensionen bieten hier eine gute Möglichkeit, rasch einen ersten Überblick zu gewinnen. 

Morgen folgt der zweite Teil der "Vorurteile" :) Was meint ihr zu den bisherigen Vorurteilen? Habt ihr auch Vorurteile gegen Indie-Autoren?

6 Kommentare:

Vero Havre hat gesagt…

Ich kannte bis Mitte 2015 den Ausdruck "Indie"-Autoren gar nicht. Demgemäß habe ich auch nicht unterschieden, sondern einfach danach gelesen, was mir gefällt. Ich habe mich allerdings gewundert, dass ich viele Bücher, die mir bei Amazon vorgeschlagen wurden, bei anderen Buchanbietern nicht kaufen konnte (ich lese ePub). Über Fehler habe ich mich auch schon geärgert, allerdings genauso häufig in Büchern von (auch) namhaften Verlagen wie in solchen von Selfpublishern. Inzwischen kenne ich mich bei den Indies besser aus und habe festgestellt, dass ich seit längerer Zeit überwiegend Bücher von Selfpublishern lese (Zufall? Oder Bücher am Puls der Zeit?). Und es sind wirklich Schätze darunter. Ich kann durchaus verstehen, wenn jemand sein Buch als E-Book selbst herausbringt, ich zweifele, dass die Unterstützung bei der Vermarktung durch einen Verlag in diesem Bereich viel effektiver ist. Was die Preisgestaltung angeht, verstehe ich die Leserschaft nicht, natürlich freut man sich, wenn man ein Schnäppchen macht. Andererseits finde ich eigentlich Preise unter 3,00 € unangemessen im Vergleich mit Preisen für Verbrauchsgüter wie Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Knabberartikel, Fastfood ... Immerhin kann ich den Lesegenuss unbegrenzt wiederholen.

Elli in Nivida hat gesagt…

Ich finde es absolut unerheblich ob das Buch von einem Indie stammt oder nicht. Mich muß das Cover und der Klapptext ansprechen sprich neugierig machen. Von Selbstverlegern habe ich schon viele Schätzchen gelesen. Und ich finde es steht jedem Autor zu, für seine Arbeit bezahlt zu werden und zwar anständig. 0,99€ sind kein vernünftiger Lohn für monatelange Arbeit.

Evanesca hat gesagt…

Am Schlimmsten finde ich das von dir angesprochene Vorurteil, der Autor wäre zu schlecht für einen Verlag gewesen.
Ich kenne viele Selfpublisher, die sich ganz bewusst und aus Leidenschaft dafür entschieden haben - und sich diesen dummen Spruch dauernd anhören müssen.

Klara Bellis hat gesagt…

@Elli in Nivida: Je nach Umfang und Rechercheaufwand, kann es auch jahrelange Arbeit sein, an einem Buch zu schreiben.

@Vero Havre: Ich finde in jedem Buch, das ich lese, Tippfehler. Auch in Verlagsbüchern. Es scheint fast unmöglich zu sein, ein absolut fehlerfreies Buch herauszubringen. Die Leseproben sind bei E-Books ganz praktisch, um zu schauen, ob der Text lesbar ist oder vor Fehlern nur so strotzt. Manchmal findet man sogar Tippfehler/Grammatikfehler in Klappentexten. Das würde mich als Leser schon stutzig machen und abschrecken.
Von einigen Verlagsautoren weiß ich, dass seitens mancher (?) Verlage so wenig Werbung gemacht wird, dass man es auch gleich selbst machen kann.

Myna Kaltschnee hat gesagt…

Toller Artikel! Ich war anfangs auch sehr skeptisch gegenüber Indie-Autoren, aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass gerade diese oft sehr gute Geschichten schreiben und veröffentlichen. Mittlerweile unterstütze ich Selfpublisher gerne und bin ihren Büchern nicht mehr abgeneigt. Ich finde es großartig und sehr bewundernswert, was für eine Arbeit sie leisten. Ich kann mir mittlerweile sogar selbst vorstellen, als Selfpublisher meine Geschichten zu veröffentlichen.

Ganz liebe Grüße
Myna
von www.myna-kaltschnee.com

Mona Silver hat gesagt…

Ich habe aufgrund einer Facebook-Pause die Aktion völlig verpennt... Aber nichtsdestotrotz möchte ich jetzt noch mal mein Dankeschön hier lassen! Das ist wirklich eine tolle Sache und ich danke dir im Namen aller Indies für den Einsatz! <3

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